Am 30. Juli dieses Jahres sagte Barack Obama bei der Lobrede auf John Lewis, einen Führer der Bürgerrechtsbewegung in den Vereinigten Staaten: “Wir müssen vielleicht nicht raten, wie viele Bonbons in einem Glas sind, um wählen zu können. Während wir hier sitzen, tun die Machthaber alles, was sie können, um die Menschen vom Wählen abzuhalten”. Genau darum geht es im Film Selma: das Recht zu wählen. Dieses Grundrecht, das die Selbstbestimmung des Einzelnen in einer demokratischen Gesellschaft ermöglicht, wurde der schwarzen amerikanischen Gemeinschaft bis zur Veröffentlichung des Voting Right Act 1965 vorenthalten, das schließlich nach einem von Martin Luther King und seinen Mitstreitern geführten Kampf durchgesetzt wurde. 

Der Film Selma, 2014 von Ava DuVernay produziert, zeichnet den Kampf Martin Luther Kings nach. Er spielt 1965, in Selma, in Alabama, im Süden der Vereinigten Staaten. Die segregationistischen Staaten des Südens wurden damals von einem Klima des Hasses gegen die afroamerikanische Gemeinschaft geplagt. Diese Staaten respektierten trotz des Civil Rights Act von 1964 das Prinzip der Gleichheit der Individuen nicht. Zunehmend wurden Stimmen laut, die diese Ungerechtigkeiten mit verschiedenen Mitteln bekämpfen wollten. Martin Luther King seinerseits entschied sich dafür, den Kampf für politische Gleichheit für alle Amerikaner gewaltlos zu führen und nicht den Weg der direkten Konfrontation zu gehen.

Der Film macht  den oft vernachlässigten historischen Kontext dieser Periode sichtbar. Tatsächlich neigen wir zu der Annahme, dass die Ungleichheiten mit der Veröffentlichung des Civil Rights Act von 1964, der die Segregation der Schwarzen in den Vereinigten Staaten rechtlich verbot, ein Ende fanden. Aber dieser Film zeigt eine andere Realität: die Probleme der Regierung von Präsident Lyndon B. Johnson, die Politik eher strategisch als menschenrechtsorientiert gestaltet, der Druck, den das FBI und die Behörden bestimmter Südstaaten auf Bürgerrechtsbewegungen ausüben, aber auch die Spaltungen, die innerhalb der Bewegung selbst bestanden, zum Beispiel über die Frage, wie man sich verhalten soll, um erfolgreich zu sein.

Die Regisseurin Ava DuVernay, bekannt für ihre Werke, die sich für die afroamerikanische Gemeinschaft einsetzen, verdeutlicht in diesem Film die Schwierigkeiten des Kampfes für Bürgerrechte. Für diesen Spielfilm erhielt sie 2014 den Women Film Critics Circle Award.

Der Film porträtiert die Geschichten einiger interessanter Protagonisten der Geschehnisse in Selma. Martin Luther King, der an seinen eigenen Entscheidungen und den Ergebnissen seiner Kämpfe zweifelt, gespielt vom Schauspieler David Oyelowo, oder den segregationsfreundlichen Gouverneur von Alabama, George Wallace, gespielt von David Roth.

Auf diese Weise klärt Selma über die Fortschritte auf, die die amerikanische Gesellschaft durch die Bürgerrechtsbewegung erzielt hat. Das Werk konzentriert sich auf einen der Höhepunkte des Kampfes gegen die Rassentrennung und stellt somit ein wahres historisches und prägendes Zeugnis dar, das starke Persönlichkeiten der amerikanischen Geschichte hervorhebt. Trotz der in dieser Zeit erworbenen Rechte ist jedoch klar, dass Afroamerikaner nach wie vor Opfer zahlreicher Ungleichheiten sind – insbesondere im Hinblick auf Diskriminierung im Wohnsektor, Polizeigewalt, Justizirrtümer oder einfach den gewöhnlichen Rassismus, der in der amerikanischen Gesellschaft fortbesteht.

Translated by Eike Hinrichsen

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