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Die seit 1971 in Frankreich bestehende Legalität der Homosexualität ist dort heute Konsens. Dies ist jedoch nicht der Fall in vielen anderen Staaten der Welt, wo Beziehungen zwischen Menschen des gleichen Geschlechts mit verschiedenen Strafen geahndet werden, von der Inhaftierung bis zur  Todesstrafe. Andere Staaten legalisieren zwar Homosexualität an sich, gewähren homosexuellen und bisexuellen Menschen aber keine rechtliche Anerkennung.

Bis heute ist die Situation der LGBTQIA+-Menschen je nach nachdem, in welchem Staat sie leben sehr ungleich. Weniger als 25% der Staaten weltweit anerkennen und schützen LGBT-Menschen1. Auch wenn Homophobie eine Diskriminierung ist, die keine Staatsgrenzen kennt, sind die Rechte von Homosexuellen in den verschiedenen nationalen Kontexten radikal unterschiedlich: Während in einigen Teilen der Welt lesbische, schwule und bisexuelle Menschen (LGB) heiraten und adoptieren können sowie rechtlich vor Diskriminierung geschützt sind, bestrafen viele Länder Homosexualität immer noch mit Zwangsarbeit, Folter, Gefängnisstrafen und sogar mit der Todesstrafe. Obwohl einige dieser Strafen nicht mehr angewandt werden, kommt es in einigen Teilen der Welt immer noch zu Verurteilungen.

In den letzten Jahrzehnten wurden viele Fortschritte für LGBTQIA+-Rechte gemacht, sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene. Dazu gehören die Streichung der Homosexualität von der Liste der psychischen Erkrankungen in der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD) im Jahr 1990 und die Annahme der Yogyakarta-Prinzipien im Jahr 2007, die das internationale Recht zur sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität regeln. Doch erst 2011 nahm die UNO zum ersten Mal einen Text über die Rechte von LGBTQIA+ an.

Darüber hinaus muss darauf geachtet werden, bestimmte Länder oder Kulturen nicht als “von Natur aus homophob” zu klassifizieren. Homophobie ist kein natürliches, sondern ein soziales Phänomen, das von Menschen geschaffen und aufrechterhalten wird. Die repressivsten Gesetze gegen Homosexualität betreffen zwar den afrikanischen und asiatischen Kontinent, sie stammen aber oft noch aus der Kolonialzeit. Britische Kolonist*innen haben zum Beispiel Gesetze gegen Sodomie erlassen, die in vielen englischsprachigen Ländern wie Ghana, Singapur und Bangladesch immer noch in Kraft sind. Vor der Ankunft der Siedler*innen und der Auferlegung ihrer Normen und Religionen waren homosexuelle und sogar transsexuelle Menschen in einigen vorkolonialen Gesellschaften gut akzeptiert. Es ist daher widersprüchlich zu behaupten, dass Homosexualität westlich ist und Homophobie aus so genannten “unterentwickelten” Ländern stammt: Es ist in Wirklichkeit eher die Homophobie als die Homosexualität, die aus dem Westen importiert wurde.

Die Verurteilung der Sodomie durch die Brit*innen könnte auch erklären, warum männliche Homosexualität stärker strafrechtlich verurteilt wird als ihre weibliche Entsprechung. In einigen Ländern ist Homosexualität für Frauen legal, während sie für Männer streng bestraft wird. Die lesbophobe und sexistische Unsichtbarkeit der weiblichen Homosexualität mag auch dieses Paradoxon erklären: Lesbianismus könne nicht existieren, da Sexualität ohne Männer unvorstellbar ist. In Lesotho, Nauru und Südafrika zum Beispiel wurde Homosexualität 1998 und 2012, 2016 für Männer entkriminalisiert, während sie für Frauen seit jeher legal ist.

Länder, in denen LGB Menschen heiraten und adoptieren können sowie von Diskriminierung geschützt sind

Im Jahr 2020 ist in 30 Staaten die gleichgeschlechtliche Ehe erlaubt, in drei dieser Länder können die Ehepartner jedoch kein Kind adoptieren. In 27 Staaten der Welt ist die Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare erlaubt. In zwei von ihnen ist jedoch die Ehe nicht legalisiert. So erkennen nur 26 der 197 von der UNO anerkannten Länder, d.h. circa 14%, sowohl das Recht auf Adoption als auch auf Ehe für Homosexuelle an.

Europäische Länder waren die Vorreiter bei der Legalisierung von Ehe und Adoption. Europa ist der Kontinent, auf dem die Rechte von LGBTQIA+ am besten anerkannt, respektiert und geschützt werden –  trotz einiger Widerstände in Osteuropa. Seit der Entkriminalisierung der Homosexualität im Jahr 2014 in Nordzypern ist Europa auch der erste Kontinent, auf dem Homosexualität in keinem Land oder Territorium illegal ist.

Die drei Länder, in denen die gleichgeschlechtliche Ehe zuerst legalisiert wurde, waren europäische Länder: die Niederlande 2001, gefolgt von Belgien 2003 und Spanien 2005.

In Frankreich wurden sowohl die gleichgeschlechtliche Ehe als auch die Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare am 17. Mai 2013 mit dem Taubira-Gesetz unter François Hollande legalisiert.

Laut ILGA-Europe’s Country Rating, das die europäischen Länder nach ihren Gesetzen und Politiken in Bezug auf LGBTQIA+ Menschen in sechs Kategorien einteilt (Gleichheit und Nichtdiskriminierung, Familie, Verbrechen und Hassreden, Zivilgesellschaft, Asyl, rechtliche Anerkennung des Geschlechts und körperliche Unversehrtheit2), ist Malta das Land an der Spitze der Rangliste, gefolgt von Belgien, Luxemburg und Dänemark. Frankreich liegt nur auf Platz 13 von 49. Die letzten Länder auf der Liste sind Russland, Armenien, die Türkei und schließlich Aserbaidschan.

Hinsichtlich der Adoption ist der nordamerikanische Kontinent der Vorreiter,  mit den Gesetzesänderungen der ersten amerikanischen Bundesstaaten am Ende des 20. Jahrhunderts (1993 in Massachusetts und Vermont, 1995 in Washington D.C., 1998 in New Jersey…) und der ersten kanadischen Provinzen (British Columbia 1996, Ontario 1999…) war. Kanada war 2005 das vierte Land, in dem die gleichgeschlechtliche Ehe trotz der seit 2003 in neun von dreizehn Provinzen bestehenden Provinzgesetze auf Bundesebene legalisiert wurde. Darüber hinaus ist Québec einer der ersten Orte in der Welt, an dem Diskriminierung aufgrund der sexuellen Ausrichtung verboten ist, und zwar bereits seit 1977 durch die Charta der Menschenrechte und Freiheiten von Québec. In den Vereinigten Staaten dauerte es bis 2015, bis die gleichgeschlechtliche Ehe im ganzen Land legalisiert wurde. Zu diesem Zeitpunkt wurde sie bereits von  37 Bundesstaaten genehmigt.

Die Situation und die Rechte von LGBTQIA+ Menschen haben sich in den letzten Jahren in Lateinamerika signifikant verbessert. Mit Ausnahme der karibischen Länder, insbesondere der ehemaligen britischen Kolonien, die immer noch eine sehr strenge Gesetzgebung bezüglich der Homosexualität haben. In Argentinien (2010), Brasilien (2010 bzw. 2012), Uruguay (2009 und 2013) und Kolumbien (2015 und 2016) sind LGBTQIA+-Adoption und gleichgeschlechtliche Eheschließung in  erlaubt.

In Mexiko gibt es keine bundesstaatliche Regelung: Die Ehe ist daher in zwanzig Bundesstaaten und in der Bundeshauptstadt Mexiko-Stadt erlaubt, während gleichgeschlechtliche Adoptionen in vierzehn Bundesstaaten sowie in Mexiko-Stadt möglich sind.

Trotz der Rechte, die LGBTQIA+ Menschen in Brasilien gewährt werden, führte die Wahl von Jair Bolsonaro zur Flucht vieler LGBTQIA+ Menschen, da Homophobie in den Reden des brasilianischen Präsidenten sehr präsent war.

In Ozeanien erlauben zwei Länder Adoption und Ehe: Neuseeland und Australien. In Neuseeland wurde beides 2013 legalisiert, mit Ausnahme von Tokelau, Nieue und den Cook-Inseln. In Australien wurde die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare 2017 und die Adoption je nach Gebiet zwischen 2002 und 2017 legalisiert, mit Ausnahme des Northern Territory.

Afrika, der Nahe Osten und Südasien sind die Regionen der Welt, in denen die Rechte homosexueller Menschen am stärksten unterdrückt werden.

Südafrika stellt auf dem afrikanischen Kontinent eine Ausnahme dar, da Adoption bereits 2002 und Heirat 2006 legalisiert wurde. Damit war Südafrika 2006 das fünfte Land der Welt, das gleichgeschlechtliche Ehen zugelassen hat. Dies wurde durch den Kampf gegen die Apartheid ermöglicht, der große Fortschritte in Bezug auf die Rechte von diskriminierten Minderheiten, aber auch in Bezug auf Geschlecht und sexuelle Orientierung brachte. Trotz dieser toleranten Gesetzgebung gibt es in Südafrika immer noch viele homophobe Gewalttaten, darunter Banden- und Korrekturvergewaltigungen3 von Lesben.

Jüngste Legalisierungen der gleichgeschlechtlichen Ehe sind zu begrüßen, so 2017 in Australien, Finnland, Deutschland und Malta, 2019 in Taiwan, Österreich und Ecuador, kürzlich im Mai 2020 in Costa Rica und im Dezember 2020 in der Schweiz

Dennoch sollte nicht vergessen werden, dass die Erlangung von Grundrechten nicht die Homophobie oder Diskriminierung beseitigt, die LGBTQIA+ Menschen tagtäglich erfahren können. Der rechtliche Schutz vor Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung, den diese rund zwanzig Länder bieten, reicht nicht aus, um nicht-rechtliche Hindernisse für die Gleichstellung zu überwinden, wie die Verankerung von Homophobie und Heteronormativität in den Mentalitäten. Infolgedessen besteht in einigen Ländern, wie z.B. in Südafrika, eine Kluft zwischen dem Recht und der tatsächlichen Wirklichkeit.

Darüber hinaus verweigern einige dieser Länder, die gleichgeschlechtlichen Paaren die Möglichkeit bieten, zu heiraten und zu adoptieren, denselben Paaren weiterhin das Recht, im Militär zu dienen oder Blut zu spenden, oder schreiben für gleichgeschlechtliche Beziehungen ein anderes Schutzalter (sexuelle Volljährigkeit) vor als für heterosexuelle Beziehungen vor. In einigen Ländern, in denen die Leihmutterschaft (Leihmutterschaft) oder In-vitro-Fertilisation (IVF) legal ist, bleiben sie lesbischen Paaren verwehrt.

Das Blutspenden wird homosexuellen und bisexuellen Männern oft verweigert. In anderen Fällen wir ihnen eine Periode der sexuellen Abstinenz auferlegt, unter dem Vorwand, dass sie der Gefahr den AIDS-Virus zu haben stärker ausgesetzt wären. Rationeller wäre es jedoch, das Kriterium des Sexualverhaltens (mehrere Partner…) und nicht die sexuelle Orientierung zu berücksichtigen. Viele sehen in dieser erzwungenen Abstinenz eher eine Hypersexualisierung der homosexuellen Beziehungen als eine vernünftige Vorsichtsmaßnahme.

In Frankreich ist das Blutspenden homosexuellen Männern seit 2016 unter der Bedingung einer zwölfmonatigen Abstinenz erlaubt, ein Zeitraum, der 2019 nach unten, auf vier Monate  korrigiert wurde und der nach einem im Juli letzten Jahres verabschiedeten Gesetz vollständig verschwinden sollte. Ein Jahr ohne sexuelle Beziehungen ist auch für Blutspenden in anderen europäischen Ländern erforderlich: Belgien, Irland, Schweden, Finnland, Norwegen, Schweiz, Niederlande, Deutschland. In Österreich ist sie komplett verboten.

Länder, in denen LGB Menschen vor Diskriminierung geschützt sind und entweder legal heiraten oder legal adoptieren können – nicht beides

Von den 30 Staaten, die die gleichgeschlechtliche Ehe zulassen, erlauben vier keine Adoption durch gleichgeschlechtliche Partner: Costa Rica und Ecuador in Lateinamerika, Taiwan in Asien sowie die Schweiz in Europa.

Im Mai 2020 legalisierte Costa Rica als erstes Land Mittelamerikas die gleichgeschlechtliche Ehe, und Taiwan tat dies als erstes Land Asiens 2019. Was die Schweiz betrifft, so hat sie vor kurzem die gleichgeschlechtliche Ehe legalisiert. Die Gesetzgebung in Ecuador stammt ebenfalls aus dem Jahr 2019. Darüber hinaus gibt es in allen vier Ländern Antidiskriminierungsgesetze.

Umgekehrt haben von den 27 Ländern der Welt, in denen die Adoption legal ist, zwei die gleichgeschlechtliche Ehe noch nicht legalisiert. Dies sind Andorra in Europa und Israel im Nahen Osten. In Andorra ist die Adoption für gleichgeschlechtliche Partner seit 2014 legal, nicht aber die Ehe, obwohl es seit 2005 eine Form der zivilen Vereinigung für gleichgeschlechtliche Paare gibt. Was Israel betrifft, so wurde 2008 die Adoption für gleichgeschlechtliche Partner genehmigt. Gleichgeschlechtliche Ehen werden anerkannt, wenn sie im Ausland geschlossen wurden. Seit 1994 gibt es zudem eine Form der bürgerlichen Vereinigung (eingetragenes Zusammenleben).

Zusätzlich zu den 27 Ländern, in denen die Adoption ohne Einschränkungen legal ist, ist sie für gleichgeschlechtliche Paare durch Stiefeltern in einigen Ländern wie Estland, Kroatien, Italien, Taiwan und der Schweiz erlaubt. Für die beiden letztgenannten Länder ist, wie in Zypern auch, die Adoption durch Alleinstehende, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung, erlaubt. Länder, die die Adoption für Alleinstehende geöffnet haben, lassen jedoch nicht unbedingt zu, dass Homosexuelle davon profitieren. In Kirgisistan beispielsweise müssen alleinstehende Personen, die adoptieren wollen, manchmal eine Ehrenurkunde vorlegen, aus der hervorgeht, dass sie nicht homosexuell sind.

Länder, die eine Art zivile Vereinigung als Alternative zur Heirat anbieten

Die zivile Lebenspartnerschaft, in Frankreich als “eingetragene Lebenspartnerschaft”, “häusliche Lebenspartnerschaft”, “zivile Lebensgemeinschaft”, “Lebenspartnerschaft” oder “ziviler Solidaritätspakt” bezeichnet, ist eine Form der rechtlichen Verbindung, die den Paaren, die sie eingehen, jedoch nicht dieselben Rechte und Pflichten wie die Ehe bietet.

Als in Frankreich die Ehe für alle im Jahr 2017 legalisiert wurde, stand der zivile Solidaritätspakt, besser bekannt unter dem Namen PACS, homosexuellen Paaren bereits seit 1999 offen. Er garantierte ihnen jedoch in den Bereichen Arbeit, Sozialversicherung, Einkommensteuer, Eigentumsrechte oder gemeinsame Adoption nicht die gleichen Rechte wie verheirateten Paaren.

Partnerschaften können daher ein positiver Schritt nach vorn bei der Anerkennung gleichgeschlechtlicher Verbindungen sein. Gleichgeschlechtlichen Paaren jedoch nur eine zivile Verbindung anstatt die Ehe zu gewähren, ist diskriminierend, da sie ihnen im Allgemeinen nicht die gleichen Rechte einräumen, insbesondere im Hinblick auf das Abstammungsrecht. Dies ist in 15 Ländern weltweit der Fall.

Da die gleichgeschlechtliche Ehe dort rechtlich nicht vorgesehen ist, bieten 13 europäische Länder gleichgeschlechtlichen Paaren stattdessen eine Form der zivilen Ehe an: Diese 13 Länder sind Andorra (seit 2005), Zypern (seit 2015), Kroatien (seit 2014), Tschechische Republik (seit 2006), Estland (seit 2016), Griechenland (seit 2015), Ungarn (seit 2009), Italien (seit 2016), Liechtenstein (seit 2011), Monaco (seit 2019), Montenegro (seit 2020), San Marino (seit 2012) und Slowenien (seit 2005). Seit 2016 erkennt Estland im Ausland geschlossene gleichgeschlechtliche Ehen an.

Alle diese Länder, mit Ausnahme Liechtensteins, schützen homosexuelle Personen vor Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung. Dies ist eine paradoxe Situation angesichts der Weigerung der Länder, homosexuellen Personen das einfache Recht zu gewähren, zivilrechtlich zu heiraten.

In Kroatien, Ungarn, Monaco und Montenegro ist die gleichgeschlechtliche Ehe sogar verfassungsrechtlich verboten. In Slowenien scheiterte 2015 ein Referendum zu diesem Thema mit 63% der Wählerinnen und Wähler, die gegen eine gleichgeschlechtliche Ehe stimmten. Was Italien anbelangt, so wurde das Land vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte wegen seiner Verzögerung bei der Genehmigung der gleichgeschlechtlichen Ehe verurteilt.

Im Rest der Welt erlauben drei weitere Länder Formen der zivilen Vereinigung, ohne die Ehe legalisiert zu haben: Chile (2015), Israel (1994) und Bolivien (2020). In Chile ist ein Gesetz in Vorbereitung, das die gleichgeschlechtliche Ehe legalisieren soll. Derzeit aber steht gleichgeschlechtlichen Paaren nur die zivile Ehe zur Verfügung.

Länder, in denen Homosexualität legal ist, gleichgeschlechtliche Paare jedoch nicht anerkannt werden

Was ist mit Ländern, die man als “neutral” bezeichnen könnte, d.h. in denen Homosexualität zwar legal ist, in denen gleichgeschlechtliche Paare aber keinen Zugang zu zivilen Partnerschaften, Heirat und Adoption haben? Dies ist tatsächlich für etwa die Hälfte aller Länder der Welt der Fall.

Eine gewisse Entkriminalisierung der Homosexualität ist erst in jüngster Zeit erfolgt, wie z.B. 2020 in Gabun, 2019 in Angola und Botswana, 2018 in Indien, Libanon und Trinidad und Tobago oder 2016 in Nauru und auf den Seychellen. Die kriminalisierenden Gesetze haben oft ihren Ursprung in der Kolonialzeit, wie z.B. in Angola, das im Januar 2019 einen Artikel strich, der die “unnatürlichen Laster” verurteilte, die während der portugiesische Kolonialisierung eingeführt wurden. In anderen Ländern war Homosexualität nie illegal, wie in Laos, Vietnam, Kambodscha und Polen.

In Europa erkennen rund zwanzig Länder, von denen sechs Mitglieder der Europäischen Union sind (Bulgarien, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, Slowakei), noch immer keine Form der ehelichen Vereinigung für Menschen gleichen Geschlechts an.

In einigen dieser Länder ist die gleichgeschlechtliche Ehe sogar verfassungsrechtlich verboten, so in Bulgarien, Lettland, Litauen, Polen, Weißrussland, Moldawien, Serbien und der Ukraine.

In Belarus wurde Homosexualität mit fünf Jahren Gefängnis bestraft, bevor sie 1994 entkriminalisiert wurde. Trotz dieser Entkriminalisierung sind Homosexuelle nach wie vor schwerer Diskriminierung ausgesetzt, und der Ausdruck der Rechte von LGBTQIA+ gilt als Terrorismus.

Russland hat in den letzten Jahren unter Putin einen Rückgang der LGBTQIA+-Rechte erlebt. Im Jahr 2013 wurde ein Gesetz verabschiedet, das “homosexuelle Propaganda” unter Minderjährigen verbietet. Tschetschenien machte 2017 auch wegen seiner starken Repression (Verhaftungen und sogar Folter) gegen LGBTQIA+ Menschen Schlagzeilen. Russland hat Schwierigkeiten, LGBTQIA+-Vereinigungen offiziell anzuerkennen und nutzt die Politik des “Foreign Agent”4, um ihnen Geldstrafen auferlegen zu können. Sie wurde Russland auch vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte wegen seines Verbots von LGBTQIA+-Demonstrationen verurteilt. Tatsächlich wird diese Unterdrückung der Homosexualität durch Putins Russland als ein Mittel zum Widerstand gegen westliche und europäische Sitten angesehen.

Viele dieser Länder schützen paradoxerweise LGBTQIA+ Menschen vor Diskriminierung, obwohl ihnen keinerlei Rechte oder Anerkennung gewährt werden. Es ist, als ob der Staat eine Art Monopol auf legitime Diskriminierung hätte.

Etwa die Hälfte der afrikanischen Länder sowie fünf Länder im Nahen Osten (Bahrain, Irak, Jordanien, Libanon, Türkei) befinden sich ebenfalls in diesem Zwischenbereich, in dem Homosexualität zwar legal ist, andere Rechte wie Ehe und Adoption jedoch nicht. Die meisten versagen auch beim Schutz von LGB-Personen vor Diskriminierung, und Homophobie ist häufig anzutreffen. Die Diskriminierung ist also weniger gesetzgeberisch als sozial oder religiös. Homosexualität mag nicht gesetzlich verurteilt sein, aber sie ist gesellschaftlich nicht akzeptiert und verbale und physische Angriffe auf LGBTQIA+ Menschen finden täglich statt, ohne dass die Regierungen darauf reagieren. Viele dieser Länder verbieten auch die gleichgeschlechtliche Ehe in ihren Verfassungen, wie Burkina Faso, die Demokratische Republik Kongo oder Ruanda. In letzteren bringen die christlichen Kirchen Homosexualität ganz explizit mit Sünde in Verbindung.

Darüber hinaus sind einige die Sexualität betreffende Gesetze unklar und könnten dazu verwendet werden, Homosexuelle zu verurteilen. In Mali zum Beispiel wird Homosexualität im Strafgesetzbuch nicht erwähnt, es gibt jedoch ein Verbot der “Vereinigung zu einem unsittlichen Zweck” oder der “öffentlichen Unzucht”. Öffentliche Unsittlichkeit betrifft jede Handlung in der Öffentlichkeit, die geeignet ist, den Anstand von Beobachtenden zu verletzen oder die öffentliche Ordnung zu stören, und wird mit einer Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu zwei Jahren und/oder einer Geldstrafe von 20.000 bis 200.000 Franken geahndet. Das Verbot der Vereinigung zu unmoralischen Zwecken wurde 2005 vom Gouverneur des Bezirks der Hauptstadt Bamako genutzt, um einer Vereinigung, die für die Rechte von Homosexuellen kämpft, die offizielle Anerkennung zu verweigern. Generell gilt Homosexualität in der malischen Gesellschaft als unmoralisch und wird mit Sünde und extremer Ausschweifung in Verbindung gebracht.

In der Demokratischen Republik Kongo sind homosexuelle Beziehungen nicht kriminalisiert oder im Strafgesetzbuch erwähnt. Allerdings kann nach Artikel 172 jede “unnatürliche” Handlung oder Straftat mit einer Strafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft werden.

In der Zentralafrikanischen Republik ist Homosexualität nicht per se illegal, aber Artikel 85 des Strafgesetzbuches wird manchmal dazu benutzt, homosexuelle Personen zu verhaften und zu verurteilen. Er bestraft sogenannte “unnatürliche” Handlungen, die im öffentlichen Raum begangen werden, mit sechs Monaten bis zwei Jahren Gefängnis bzw. mit einer Geldstrafe von 150.000 bis 600.000 CFA-Francs.

Schließlich ist in Mauritius männliche und weibliche Homosexualität legal, aber die Ausübung von Sodomie (ob bei heterosexuellem oder homosexuellem Verkehr) ist verboten und wird mit Gefängnis (bis zu fünf Jahren) bestraft. Weibliche Homosexualität ist also  ohne Geschlechtsverkehr erlaubt, ebenso wie männliche Homosexualität.

Auf dem asiatischen Kontinent können wir Kambodscha anführen, wo im Jahr 2003 der erste Pride March stattfand. LGBTQIA+ Personen sind jedoch nicht vor Diskriminierung geschützt und die gleichgeschlechtliche Ehe ist verfassungsrechtlich verboten, obwohl im Ausland geschlossene Ehen anerkannt werden.

In China wurde Sodomie 1997 entkriminalisiert und Homosexualität wurde 2001 von der Liste der Geisteskrankheiten gestrichen. Es gibt jedoch weder ein Gesetz, das vor Diskriminierung schützt, noch gibt es die Möglichkeit der Heirat oder Adoption für gleichgeschlechtliche Paare. Schlimmer noch, Konversionstherapien5 werden von der Regierung gefördert und Homosexualität bleibt in der chinesischen Gesellschaft stark stigmatisiert.

In Nordkorea ist Homosexualität nicht illegal, aber die Artikel 193 und 262 der Obszönitäts- und Anstandsgesetze können verwendet werden, um Homosexualität in der Öffentlichkeit zu bestrafen. Homosexualität wird mit dem Kapitalismus in Verbindung gebracht, und es gab Fälle von Hinrichtungen Homosexueller mit dieser Begründung.

Die Republik Südkorea erkennt die Rechte von LGBTQIA+ Personen auf ihrem Territorium nicht offiziell an, und Homosexualität in der südkoreanischen Armee wird durch das Militärstrafgesetzbuch kriminalisiert.

In Japan wächst der Druck auf die Regierung, die gleichgeschlechtliche Ehe zu legalisieren. In neun Städten wurden “Eingetragene Partnerschaften” auf Gemeinde- oder Kreisebene etabliert. In ähnlicher Weise gibt es in einigen Städten gesetzliche Schutzmaßnahmen und Antidiskriminierungsgesetze zum Schutz von LGBTQIA+ Menschen durch die lokalen Regierungen (z. B. Verbot der Diskriminierung bei der Einstellung in Tokio), aber keine nationalen Gesetze zu diesem Thema. Homosexualität wird in der japanischen Gesellschaft mehr und mehr akzeptiert, bleibt aber immer noch sehr versteckt und tabuisiert. Laut einer TBS-Sendung6 ist ein Viertel der jungen Homosexuellen in Japan wegen der Demütigungen und Schikanen, denen sie in der Schule ausgesetzt sind, bereits der Schule ferngeblieben.

Auf den Philippinen ist Homosexualität seit 1933 legal, außer in der Stadt Marawi, wo sie für Muslime illegal ist (und mit einer Geldstrafe geahndet wird). Auch in Vietnam gilt Homosexualität nicht als Verbrechen, solange die Beziehung privat bleibt. Das vietnamesische Strafgesetzbuch bleibt jedoch vage und verbietet Verstöße “gegen die öffentliche Moral”. Dieses Gesetz kann zur Verfolgung von Homosexuellen genutzt werden. Bis 2002 wurde Homosexualität von der vietnamesischen Regierung als etwas Auszurottendes dargestellt und als “soziale Geißel” bezeichnet. Verhaftungen von homosexuellen Paaren sowie der Betrieb von Umerziehungszentren waren an der Tagesordnung.

In Lateinamerika besteht die Diskriminierung, trotz der Legalität der Homosexualität in allen Ländern außer Guyana, fort. Viele lateinamerikanische katholische Länder sind feindselig gegenüber der Anwesenheit von LGBTQIA+ Menschen im Militär.

In Belize wurde männliche Homosexualität nach einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofs im Jahr 2016 entkriminalisiert, gleichzeitig ist homosexuellen Einwanderern die Einreise jedoch immer noch verboten.

Auf Haiti ist die gleichgeschlechtliche Ehe nicht nur unmöglich, sondern seit einem Beschluss des haitianischen Senats aus dem Jahr 2017 illegal. Er bestraft die gleichgeschlechtliche Ehe für ihre “Täter, Mitverursacher und Komplizen” mit drei Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe von 500.000 Gourdes (ca. 7.000 Euro). Darüber hinaus verbietet dieses Gesetz “zum Schutz der Familie” “jede öffentliche Demonstration der Unterstützung von Homosexualität und Proselytismus zugunsten solcher Handlungen”.

In Peru sind LGBTQIA+ Menschen zahlreichen Gewalttaten ausgesetzt, insbesondere durch die Polizei. Homosexualität ist in diesem Land, das als sehr konservativ und katholisch gilt, nach wie vor ein Tabuthema. Die gleichgeschlechtliche Ehe ist dort, trotz zweier Legalisierungsversuche in den Jahren 2015 und 2017, immer noch illegal.

Länder, in denen Homosexualität mit Gefängnisstrafe geahndet wird

Viele Länder sehen in ihren Strafgesetzbüchern eine Gefängnisstrafe für Homosexuelle vor, die jedoch seit einigen Jahren oder sogar Jahrzehnten nicht mehr angewandt wird.

In Afrika wird Homosexualität in Gesetzen oder Strafgesetzbüchern sehr häufig als “unnatürlich” oder als “sexuelle Abweichung” bezeichnet und mit Vergewaltigung oder Beziehungen zu Tieren verglichen, wie in Algerien, Äthiopien, Malawi, Guinea und Senegal. Neben dieser strengen Gesetzgebung gibt es auch ein starkes kulturelles, religiöses und soziales Stigma, das sich insbesondere auf ein Ideal männlicher Virilität bezieht. Diese wird in Opposition zu Weiblichkeit und Homosexualität konstruiert.

Auf dem afrikanischen Kontinent Homosexualität außerdem immer noch sehr streng bestraft: bis zu 17 Jahre Gefängnis drohen in Ägypten, lebenslänglich in Uganda, 10 Jahre im Südsudan, lebenslänglich und Zwangsarbeit (für Männer) in Sierra Leone, 30 Jahre bis lebenslänglich in Tansania, bis zu 14 Jahre Gefängnis in Sambia, und es gibt viele weitere Beispiele.

In Gambia, wo Homosexualität mit 14 Jahren Haft bestraft wird, forderte Präsident Yahnya Jammeh im Jahr 2008, dass alle Homosexuellen das Land verlassen. Im Jahr 2015 sagte er auch, er würde allen Homosexuellen, die heiraten wollen, die Kehle durchschneiden. Im Jahr 2014 beschuldigte Amnesty International die gambischen Behörden, verhaftete schwule Männer und Frauen zu foltern.

Wie in der Einleitung erwähnt, sind die Gesetze in Bezug auf männliche Homosexualität oft strenger als in Bezug auf weibliche Homosexualität, über die zu wenig berichtet wird. In Ghana zum Beispiel wird männliche Homosexualität mit drei Jahren Haft bestraft (und stellt damit “unnatürliche sexuelle Beziehungen” genauso unter Strafe wie Vergewaltigung oder Zoophilie), während sie für Frauen legal ist. Im Jahr 2013 erklärte der Anwalt John Ndebugri, dass er glaube, dass das Gesetz nicht für weibliche Homosexualität gelte, basierend auf dem Argument, dass lesbischer Sex keine Penetration oder einen Penis beinhaltet. Die gleiche Unterscheidung gilt zwischen Männern und Frauen in Malaysia, wo ausschließlich Männern Geldstrafen, Auspeitschungen und 10 bis 20 Jahre Haft drohen, oder in Usbekistan, wo männliche Homosexualität mit drei Jahren Haft bestraft wird.

In manchen Ländern wird auch Sodomie kriminalisiert und nicht Homosexualität an sich. Dies bedeutet die Legalität von weiblicher Homosexualität, nicht aber von männlicher Homosexualität und ist der Fall in Namibia, Tonga, Tuvalu oder Papua-Neuguinea. In Bangladesch sind Sodomie und Oralsex unabhängig von der sexuellen Orientierung verboten und werden mit lebenslanger Haft bestraft. Die Gesellschaft ist sehr konservativ und es gibt eine Menge Diskriminierung und Homophobie. Auch in Singapur wird nicht Homosexualität, sondern Sex kriminalisiert (zwei Jahre Gefängnis für Männer), allerdings wird das Gesetz seit 1999 nicht mehr durchgesetzt.

In einigen Ländern wie z. B. Simbabwe erlaubt es die institutionelle Homophobie, Homosexuelle zu Sündenböcken zu machen, um von den eigentlichen Problemen des Landes abzulenken. Es erlaubt den Politikern auch, sich die Unterstützung ihrer konservativen Wählerschaft zu sichern.

Homosexualität wird in einigen Ländern auch als eine westliche, weiße, anti-afrikanische Praxis angesehen. Durch diese kulturelle Deutung wird sie politisch instrumentalisiert: Der Widerstand gegen Homosexualität wird als Widerstand gegen westliche Einflüsse propagiert. In Simbabwe, wo die Regierung seit 1995 eine Anti-Homosexuellen- und Anti-Lesben-Kampagne führt, wird die Unterdrückung der Homosexualität deutlich als Mittel zur Bekämpfung einer Art westlicher Dekadenz dargestellt. Homosexualität, aber auch die Tatsache, dass zwei gleichgeschlechtliche Menschen Händchen halten, sich umarmen oder küssen, ist seit 2006 eine Straftat. In Syrien und im Irak finden Hinrichtungen von Homosexuellen statt, um den Hass auf den Westen und andere Zivilisationen im Allgemeinen zu zeigen. Wie oben bereits gezeigt, teilt auch Russland diese Logik. In Ägypten und auf dem Komoren-Archipel werden LGBTQIA+ Menschen beschuldigt, lokale Werte zu pervertieren und “westliche Sitten” zu importieren.

Darüber hinaus schürt das häufige Vorkommen HIV ein Klima der Homophobie. Die Krankheit wird LGBTQIA+ Menschen angelastet, obwohl sie auch zwischen heterosexuellen Menschen übertragen wird.

In Asien sind viele Gesetze noch in Kraft, die in der Praxis aber nicht mehr angewandt werden, wie z. B. Burma (zehn Jahre Gefängnisstrafe) oder Sri Lanka (bis zu zehn Jahre Gefängnis- und Geldstrafe).  In Sri Lanka ist das Gesetz trotz einer Verurteilung durch den Obersten Gerichtshof noch immer in Kraft, trotz der Tatsache, dass seit 1948 niemand mehr unter Heranziehung dieses Gesetzes verurteilt wurde. Ein Versuch der Entkriminalisierung im Jahr 2017 war erfolglos. Sexuelle Übergriffe und homophobe Diskriminierung, auch durch die Polizei und die Regierung, sind an der Tagesordnung.

In Indonesien gibt es kein explizites Gesetz zur Sodomie (ein Projekt zur Kriminalisierung scheiterte 2003), Homosexualität wird jedoch in den Provinzen und Städten, in denen die islamische Scharia gilt, mit Gefängnis bestraft (Provinz Aceh, Stadt Palembang (nur für Muslime) und Stadt Pariaman). Homosexualität wird mit Auspeitschen (100 Peitschenhiebe), Gefängnis (bis zu 100 Monate) oder einer Geldstrafe (eine Million indonesische Rupien) bestraft. Im Rest Indonesiens sind einvernehmliche und private homosexuelle Beziehungen erlaubt, aber Homosexuelle sind mit Diskriminierung und sogar Gewalt seitens der Zivilgesellschaft und der Strafverfolgungsbehörden konfrontiert, und die Regierung zensiert Filme und Inhalte, die als homosexualitätsfördernd gelten. Ein Gesetz aus dem Jahr 2006 verbietet Schrift-, Video- und Audiomaterial, das sexuelle Beziehungen zwischen Menschen des gleichen Geschlechts darstellt, bei einer Strafe von sieben Jahren Gefängnis.

Schließlich wird in Turkmenistan männliche Homosexualität mit einer Gefängnisstrafe (bis zu zwei Jahren) geahndet, während sie für Frauen legal ist. Homosexualität wird als psychische Störung betrachtet und die Bestrafung für (tatsächliche oder vermeintliche) homosexuelle Handlungen zwischen Männern kann die Unterbringung in psychiatrischen Einrichtungen beinhalten, wo sie von ihren sexuellen Vorlieben “geheilt” werden sollen.

In Lateinamerika ist Guyana das einzige Land, in dem Homosexualität noch illegal ist. Obwohl das Gesetz nicht durchgesetzt wird, ist männliche Homosexualität theoretisch mit lebenslanger Haft strafbar.

In Ozeanien ist nur männliche Homosexualität kriminalisiert, und die Gesetze werden nicht durchgesetzt oder wurden nie durchgesetzt: bis zu 14 Jahre Gefängnisstrafe auf den Cook-Inseln, Kiribati, Papua-Neuguinea und den Salomon-Inseln, bis zu sieben Jahre in Samoa und zehn Jahre in Tonga. Dass weibliche Homosexualität in den Gesetzen dieser Länder nicht erwähnt wird, verhindert nicht, dass Lesben Opfer von Stigmatisierung und Homophobie werden. Es ist eine Ironie, dass Samoa Homosexualität unter Strafe stellt, während es gleichzeitig Diskriminierung auf seinem Territorium verbietet.

Schließlich können wir uns über die erste Kandidatur eines homosexuellen Mannes, Mourir Baatour, in einem arabischen Land freuen, bei den Präsidentschaftswahlen 2019 in Tunesien. Alle Maghreb-Länder bestrafen Homosexualität jedoch immer noch: zwei Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe in Algerien, ein Monat bis zwei Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe in Marokko, bis zu drei Jahre Gefängnis in Tunesien und bis zu fünf Jahre in Libyen, wo viele Menschen das Land verlassen und politisches Asyl suchen, um vor homophober Gewalt zu fliehen. Schließlich ist in Mauretanien Homosexualität laut Gesetz immer noch mit der Todesstrafe bedroht, obwohl es seit 1987 keine Fälle von Todesstrafe mehr gegeben hat.

Länder, in denen Homosexualität mit dem Tod bestraft wird

Die Todesstrafe betrifft noch 12 Länder auf der Welt, die alle auf dem afrikanischen oder dem asiatischen Kontinent liegen: Afghanistan, Brunei, Iran, Mauretanien, Nigeria (in den 12 nördlichen Bundesstaaten, die die Scharia übernommen haben), Pakistan, Katar (betrifft nur Muslime), Saudi-Arabien, Somalia (in den Bundesstaaten, die die Scharia übernommen haben, d.h. die islamischen Emirate von Al-Shabbaab), Sudan, Vereinigte Arabische Emirate und Jemen.

Im Sudan werden Männer beim ersten Verstoß zum Tode verurteilt, während die Todesstrafe für Frauen erst bei der vierten Wiederholung der Straftat gilt (bei den ersten drei Malen beträgt die Strafe 100 Peitschenhiebe).

In Nigeria beträgt das Strafmaß in Staaten, die die Scharia übernommen haben, 100 Peitschenhiebe und ein Jahr Gefängnis für unverheiratete muslimische Männer, während verheiratete oder geschiedene muslimische Männer zum Tod durch Steinigung verurteilt werden. Darüber hinaus ist die Teilnahme an sowie die Organisation von gleichgeschlechtlichen Ehen seit 2009 unter Strafe gestellt und wird mit 10 Jahren Haft bestraft. Das Gesetz kriminalisiert auch das Demonstrieren für die Rechte von Homosexuellen sowie das öffentliche Zeigen von Zuneigung zwischen Personen des gleichen Geschlechts.

In Afghanistan scheint es seit dem Ende des Taliban-Regimes im Jahr 2001 keine Fälle von Todesurteilen mehr gegeben zu haben.

In Brunei schließlich, das von OutRight Action International als das besorgniserregendste Land Südostasiens in Bezug auf LGBTQIA+-Rechte7 angesehen wird, wird Homosexualität seit der Anwendung der Scharia im Jahr 2014 mit Gefängnis, körperlicher Züchtigung bis hin zur Folter oder dem Tod durch Steinigung bestraft.

Das Rechtssystem in den meisten dieser Staaten basiert auf der islamischen Scharia. Auch die Vergewaltigung von Lesben ist üblich.

Fazit

Es ist noch ein langer Weg, bis LGB-Menschen weltweit die gleichen Rechte und den gleichen Schutz genießen wie Heterosexuelle. Gesetze sind von entscheidender Bedeutung für die Anerkennung der LGBTQIA+-Rechte und den Schutz von queer Menschen, die von Diskriminierung betroffen sind. Selbst wenn die Gesetze, die Homosexualität unter Strafe stellen, nicht durchgesetzt werden, schafft ihre Existenz ein Klima der Unsicherheit, Diskriminierung und sogar Verfolgung von LGBTQIA+-Personen im privaten wie im öffentlichen Bereich. Sie können sich nicht auf das Gesetz als Schutz verlassen

Selbstverständlich reichen Gesetze nicht aus, um jegliche Diskriminierung zu verhindern. Selbst in den Ländern mit den fortschrittlichsten Rechtsvorschriften werden Menschen diskriminiert. Rechte auf Eheschließung, auf Adoption oder sogar Antidiskriminierungsgesetze können Homophobie nicht beenden.

QUELLENVERZEICHNIS

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Den Artikel zitieren:

COTTAIS, C. (2021). Die Rechte Homosexueller weltweit: Wo stehen wir? Generation for Rights Over the World. growthinktank.org. [online] Jan. 2021.

References
1 Hier wird die Abkürzung “LGBT” anstatt “LGBTQIA+” verwendet, da die Statistik nicht die Rechte intersexueller Personen und anderer Mitglieder der LGBTQIA+ Gemeinschaft umfasst.
2 Equality and non-discrimination, family, hate crime and hate speech, civil society space, asylum, legal gender recognition and bodily integrity.
3 Die Korrekturvergewaltigung (“corrective rape” auf Englisch) ist ein homophobes Verbrechen mit der Intention, Menschen  “auf den richtigen Weg zu bringen” (meint: heterosexuell “machen”), deren Sexualität als abnormal empfunden wird, bzw. deren Ausdruck ihres Genders nicht die Genderstereotypen von maskulin und feminin erfüllt.
4 Der Ausdruck “foreign agent” (“ausländischer Spitzel”) bezeichnet eine Person, die die Interessen eines fremden Landes verteidigt. Der Ausdruck wird von Wladimir Putin verwendet, um die sogenannte “Infiltration” bzw. “Spionage/Überwachung” durch westliche Regierungen oder ausländische Verbände anzuprangern. Laut einem Gesetz aus dem Jahr 2012 müssen sich alle Arten von ausländischen Verbänden und Vereinen in Russland als “ausländische Agentur” deklarieren, was ihnen verschiedene Strafen und Restriktionen eibringt.
5 CHIQUER, L. COTTAIS, C. KASANGA, DC. OUATTARA, N. PAVARD, J. (2020). Die “Konversionstherapien” weltweit: eine wenig bekannte Foltermethode. Generation for Rights Over the World. growthinktank.org. [online] Oct. 2020. Available at: https://www.growthinktank.org/de/die-konversionstherapien-weltweit-eine-wenig-bekannte-foltermethode/ [Accessed 2 Feb. 2021].
6 TBS, Mai 2013-Sendung
7 MOSBERGEN, D. (2015). Brunei’s LGBT Community Faces Terrifying Future. Huffington Post. [online] 15 oct. Available at : https://urlz.fr/dO7V [Accessed 27 Aug. 2020].

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