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Französisch-Guayana ist ein überseeisches Gebiet, das den gleichen Rechtsvorschriften unterliegt wie Frankreich, das jedoch mit seinen eigenen sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen konfrontiert ist – oft allein. Dieser Artikel veranschaulicht die nach wie vor bestehenden starken Ungleichheiten zwischen Französisch-Guayana und dem französischen Mutterland in Europa im Bereich der Bildungspolitik. Wie wir zeigen werden, ist die Bildungspolitik nicht an den lokalen Kontext angepasst und spiegelt in ihrer unhinterfragten Anwendung ein kolonialistisches Erbe wider. Es geht also darum, zu analysieren, welche politischen Maßnahmen Frankreich in den letzten Jahren zur Bekämpfung dieser Ungleichheiten ergriffen hat, wie wirksam sie sind und welche Grenzen sie gesetzt sind.

Das in Südamerika gelegene Französisch-Guayana ist seit 1946 eine Verwaltungsregion Frankreichs und gilt als Gebietskörperschaft. Von seiner Flächer her ist Französisch-Guayana das zweitgrößte französische Departement, in Bezug auf die Einwohner*innenzahl das kleinste. Obwohl Französisch-Guayana ein Bestandteil des französischen Territoriums ist und denselben nationalen Gesetzen und Politiken unterliegt, wird es als eine lokale Gemeinschaft betrachtet. Das bedeutet, dass Französisch-Guayana ein gewisses Maß an staatlicher Macht hat und sein Territorium nach öffentlichem Recht regieren kann. In diesem Sinne hat es eine gewisse Unabhängigkeit von Frankreich in Bezug auf die Regionalpolitik. Diese ist durch erhebliche Ungleichheiten gekennzeichnet, insbesondere im Bereich der Bildung.

Es stellt sich die Frage, welche Faktoren für die Bildungsreformen in Französisch-Guayana ausschlaggebend sind und wie die vorgeschlagene neue Bildungspolitik selbst aussehen soll.

Guyanas Bildungssystem ist einzigartig, da die Region vor vielen Herausforderungen steht. Der Entscheidung zu einem Departement Frankreichs zu werden, stehen die geographische und kulturelle Distanz zu Frankreich sowie die Identifikation mit der amazonischen Umgebung gegenüber, die zur Bildung einer guyanischen Identität beitragen. In diesem Sinne ist Guyana eine interessante Wahl für die Untersuchung der Bildungspolitik. Es ist logisch, die Anwendung der nationalen Bildungspolitik in Frankreich mit den zahlreichen Anpassungen zu vergleichen. Diese müssen vorgenommen werden, um die regionalen Besonderheiten zu berücksichtigen. So zum Beispiel das Gesetze Nr°2013-595 vom 8. Juli 2013 über die Ausrichtung und Planung der Neugründung der öffentlichen Schulen.

Probleme der Bildungspolitik in Französisch-Guayana

Guyana steht vor vielen Herausforderungen im Bereich der Bildung. Zunächst einmal sind die sozialen Ungleichheiten zwischen den Schüler*innen sehr ausgeprägt. Mehr als die Hälfte der Schüler*innen in der berufsbildenden Sekundarstufe sind Kinder von nicht erwerbstätigen Eltern, ein Drittel sind Kinder von Arbeitenden oder Angestellten und 2,6% haben Eltern, die Manager*innen oder Fachleute sind.

Eine weitere Herausforderung für die Schulen in Französisch-Guayana ist die Bewältigung der enormen Einschulungszahlen, die zwischen 2005 und 2016 um 26% gestiegen sind. Gleichzeitig besteht ein Problem bei der Rekrutierung neuer Lehrenden, da viele Lehrende Französisch-Guyana als Lehrort unattraktiv finden. Auch die bestehende Infrastruktur stellt ein Problem dar: Pascal Briquet, Lehrer am Justin-Catay-Gymnasium in Cayenne, gab im Jahr 2013 an: “Jedes Jahr finden 800 bis 1.000 Gymnasiast*innen keinen Platz am Gymnasium”1.

Was den Unterricht betrifft, besteht ein Mangel an Unterrichtsmaterialien in den Schulen. Um diese Schwierigkeit zu bewältigen, müssen die Lehrenden stattdessen mit den vorhandenen Ressourcen improvisieren. Um Kindern das Zählen beibringen zu können, bauten sie zum Beispiel einen Abakus aus Samen. Im Musikunterricht schlagen sie mit Stöcken auf Gegenstände, um Schlaginstrumente zu ersetzen. Hier zeigt sich ein echter Unterschied zum europäischen Mutterland, wo die Lehrenden in der Mehrzahl der Schulen über echte Musikinstrumente, Computer und Projektoren verfügen. Auch die Lehrendenausbildung wird in Guayana vernachlässigt: In den Jahren 2011-2012 hatten 53% der verantwortlichen Lehrenden keine Ausbildung und hatten daher Schwierigkeiten, die Aufmerksamkeit ihrer Schüler*innen zu gewinnen. Zusätzlich sind die in Guyana rekrutierten Lehrenden “sowohl durch ihre Fremdheit inmitten ihrer Praxis als auch durch ihre Unerfahrenheit und geografische Instabilität gekennzeichnet” (Léglise & Puren, 2005, S. 80), was jede Ausbildung zu einem Provisorium macht. Dies bedeutet für die Lehrenden einen Mangel an Wissen über die jeweilige Schulsituation der Region, ihre Bevölkerung, Sprachen und Kulturen. Die Zahl der Lehrenden steigt zwar, jedoch sind sie in der Regel nur vorübergehend in einer Region. Aufgrund der mangelnden Kenntnis des lokalen Kontextes sind sie nicht in der Lage, ihre Aufgabe ausreichend zu erfüllen.

Außerdem ist der Lehrplan der Schule nicht an den historischen und territorialen Kontext Französisch-Guayanas angepasst. Ein Vater von drei Kindern, die in Französisch-Guayana zur Schule gehen, sagt: “Sie kennen die König*innen von Frankreich, die Schlösser, die Loire und die Seine, aber sie kennen nicht einmal die Entfernung zwischen Cayenne und Saint-Laurent, sie haben noch nie vom Tumuk-Humak-Gebirge gehört”2. Dieses Aussage unterstreicht die mangelnde Anpassung der Schullehrpläne auf Guayana. Eine Generalisierung des Schulwesens in Französisch-Guayana fand zur Zeit der Departementalisierung statt, die mit einer allgemeinen Assimilationspolitik verbunden war. Der Sprachforscher Renault-Lescure (2000) stellt fest, dass der “Übergang zum Status eines Überseedepartements sehr wichtige Konsequenzen für das Bildungswesen hatte, weil er die kulturelle Dominanz, die Frankreich über die jungen Französisch-Guyanaer ausübte, radikalisierte; die Schule sollte sie in erster Linie lehren, Franzosen zu sein und die Ideologie des Fortschritts anzunehmen […]”3. Tatsächlich kommen die wichtigsten Entscheidungen aus Paris, getroffen von Beamt*innen, die keine Ahnung von den territorialen Besonderheiten Französisch-Guayanas hatten.

Wir können auch feststellen, dass nur wenige Schüler*innen ihren Bildungsweg in der höheren Bildung fortsetzen, 33% der Schüler*innen verlassen das Schulsystem sogar ganz ohne Abschluss. 74,6% der guyanischen Gymnasiast*innen schlossen die Schule im Jahr 2012 mit dem Abitur4 ab, dieser Wert liegt 10% unter dem nationalen Durchschnitt. Schüler*innen sind auch durch das mangelnde Angebot für höherer Bildung in Guayana eingeschränkt. Daher sind sie häufig gezwungen, in der französischen Metropole, dem Mutterland, zu studieren, wodurch das Phänomen des Braindrain bestärkt wird.

So ist das Bildungssystem Guyanas keineswegs an sein Territorium angepasst. Es wurde unumgänglich, bestimmte Besonderheiten wie Mehrsprachigkeit, das Problem der Schulabbrecher*innen, aber auch die bestehende Unsicherheit und die hohe Zahl früher Schwangerschaften in der Bildungspolitik zu berücksichtigen.

Öffentliche Bildungspolitik und die Behebung von Ungleichheiten

Im Jahr 2013 wurden im gesamten Territorium neue Maßnahmen zur Reform des öffentlichen Bildungswesens eingeführt, um die Probleme Französisch-Guayanas anzugehen. Die Qualität und Gerechtigkeit der Bildung waren hierbei die kritischsten Punkte und erforderten besondere Aufmerksamkeit bezüglich des Hinterlands und der abgelegenen Flussregionen Guyanas, wo die Bildung unter dem nationalen Standard lag.

Die erste Herausforderung war der Mangel an Lehrenden und deren mangelnde Ausbildung. Die ersten Bildungsreformen im Jahr 2013 konzentrierten sich auf den Aufbau von Lehrendenkapazitäten und die Verbesserung der Versorgung mit Lehrmaterial. Durch dieses Programm sind die Lehrenden in der Lage, ihren Unterricht an die Bedürfnisse der Kinder anzupassen und durch eine entsprechende Umgebung das Lernen und die Kreativität der Kinder anzuregen. Die Lehrenden überwachen ihre Schüler*innen genauer und regelmäßig durch formale Richtlinien. Dies trägt zu besseren Lernergebnissen bei. Als Reaktion auf das starke Wachstum der Schulbevölkerung hat sich die Zahl der Mitarbeitenden erhöht: In den letzten zehn Jahren ist die Zahl der Lehrenden um 44% gestiegen, während die Zahl des Verwaltungspersonals um 24% zugenommen hat. Auf diese Weise wurden einige Möglichkeiten geschaffen, wie zum Beispiel das akademische Projekt 2014-2017. Sein Ziel ist es, die École Supérieure d’Enseignement et d’Éducation (ESPE) zu entwickeln, die Bachelorabsolvent*innen in Lehrberufen betreut und unterstützt, um einen lokalen Nährboden in abgelegenen Orten zu schaffen. Darüber hinaus machte die Verteilung von 750 Unterrichtskits sowie lehrplanspezifischen Unterrichtsmaterialien die Kursgestaltung für die Lehrenden einfacher und für die Schüler*innen interaktiver und interessanter.

Multikulturalität ist eines der zentralen Themen der Bildung in Französisch-Guayana. Sie kann durch spezifische Maßnahmen wie das Programm für muttersprachliche Assistenten (Intervenants de Langue Maternelle, ILM), das speziell für Französisch-Guayana gilt, erleichtert werden. Vierzig französische Muttersprachler*innen arbeiten mit Kindergartenkindern, deren Muttersprache nicht Französisch ist, um sie in ihrer eigenen Muttersprache sowie Kultur voranzubringen und um sie bei dem Erwerb der französischen Sprache zu unterstützen. Für einige Stunden pro Woche begleiten sie die Schüler*innen, um “die Kinder bei ihrem ersten Kontakt mit der Schule willkommen zu heißen, dann [um] ihre metalinguistischen Fähigkeiten in ihrer Sprache zu entwickeln” (Alby und Léglise). Bei der Einschulung5 von 3-Jährigen wurden in den letzten Jahren tatsächlich Fortschritte erzielt: Die Einschulungsrate in diesem Alter ist von 65% im Jahr 2007 auf 80% im Jahr 2013 gestiegen. Um den Anstieg der Grundschulanmeldungen im letzten Jahrzehnt zu bewältigen, wurden mehr Schulen gebaut: Zwischen 2000 und 2013 wurden 26 neue Schulen geschaffen, um den Bedarf des öffentlichen Sektors zu decken. Im Hinblick auf die Sekundarschulbildung ist zu beobachten, dass 1999 nur 35% der Jugendlichen einen Sekundarschulabschluss hatte, 2011 lag der Wert jedoch bei 45% der Bevölkerung Guyanas im Alter von 18 bis 24 Jahren.

Aus finanzieller Sicht ist das Schulwesen in Französisch-Guayana nicht mehr so benachteiligt wie in der Vergangenheit. Es ist fast vollständig als Reinforced Priority Education Network (REP+) klassifiziert und profitiert von den damit verbundenen Ressourcen. Um Familien bei der Überwachung und Förderung der Schulbildung ihrer Kinder zu unterstützen, wurden in Französisch-Guayana mehrere finanzielle Hilfsprogramme eingerichtet, wie z.B. bedürftigkeitsabhängige Stipendien sowie Prämien für Schüler*innen der Sekundarschule und des Gymnasiums. Diese Hilfe betrifft 46,4% der Schüler*innen der Mittel- und Oberstufe. Die Kosten dafür betrugen 2013 7,5 Millionen Euro. Zusätzlich gibt es das Leistungsstipendium in Höhe von 800 Euro. Es wird an Stipendiat*innen der Sekundarstufe verliehen, die im nationalen Diplom des Brevets die Note “gut” oder “sehr gut” erhalten haben. Auch Stipendiat*innen, die sich im letzten Jahr der Mittelschule 6 ausgezeichnet haben, können es erhalten. Im Jahr 2013-14 erhielten 728 Schüler*innen dieses Stipendium. Darüber hinaus werden den Stipendiat*innen je nach Art und Niveau der gewählten Ausbildung Boni für die zehnte, elfte und zwölfte Klasse sowie für die berufliche und technische Ausbildung gewährt. Im Jahr 2013 wurden 5.281 Studiengebührenboni in Französisch-Guyana vergeben.

Zusätzlich hat die Bildungs- und Ausbildungspolitik der Europäischen Union unerwartete Möglichkeiten eröffnet. Ihr Programm “Allgemeine und berufliche Bildung 2020” hat das Hauptziel, die Zahl der Schulabbrecher*innen zu verringern. Das Ziel für 2020 ist es, den Anteil der Schulabbrecher*innen unter 10% zu senken. Angesichts der Tatsache, dass sogar das französische Mutterland über dieser Schwelle liegt, ist die Erreichung dieses Ziels für Französisch-Guayana erst recht eine Herausforderung.

Vergleichende Analyse verschiedener territorialer Politiken: das französische Mutterland und Brasilien

Aus bildungspolitischer Sicht ist es interessant, Französisch-Guayana sowohl mit dem Mutterland Frankreich zu vergleichen, als auch mit Nachbarländern wie Brasilien.

Es scheint unumgänglich, die Bildungspolitik des französischen Mutterlandes mit der von Französisch-Guayana zu vergleichen, wobei letzteres in sozioökonomischer Hinsicht wesentlich benachteiligter ist. Trotz verschiedener quantitativer und qualitativer Entwicklungen bleibt das Bildungsniveau der Schüler*innen in Französisch-Guayana unter dem der Jugendlichen in Frankreich. Der positive Trend bei der Einschulung von 3-Jährigen muss daher fortgesetzt werden, um das Niveau des europäischen Frankreichs zu erreichen, wo eine 100%-ige Einschulungsrate im Alter von 3 Jahren seit Mitte der 1990er Jahre erreicht wurde.

Außerdem waren im Jahr 2015 76% der jungen Guayana-Insulaner*innen im Alter von 15 bis 19 Jahren in der Schule eingeschrieben, egal ob sie Schüler*innen, Studierende oder Auszubildende waren, verglichen mit 89% im französischen Mutterland. Darüber hinaus setzen junge Menschen in Französisch-Guayana ihre Ausbildung kürzer fort als im übrigen Frankreich: Mehr als jede*r zweite Guyaner*in geht ab dem Alter von 19 Jahren nicht mehr zur Schule, im Vergleich zu 72% auf dem französischen Festland im gleichen Alter. Was den Anteil der Jugendlichen mit Abitur betrifft, so ist er in Kontinentalfrankreich doppelt so hoch wie in Guayana (48%), wo nur 19% der Menschen zwischen 18 und 24 Jahren ihr Abitur haben (INSEE 2014). Die Kluft vergrößert sich im Bereich der Hochschulbildung: 23% der jungen Menschen, die im europäischen Frankreich leben, haben einen Hochschulabschluss, im Vergleich zu nur 7% der jungen Guyaner*innen.

Aus wirtschaftlicher Sicht kann darauf hingewiesen werden, dass 80% der Schulkinder in Guyana den Bedarf haben zusätzlich eine Bildungseinrichtung für den Ausgleich sozialer Benachteiligung (établissement d’enseignement prioritaire) zu besuchen, verglichen mit etwa 22% im französischen Mutterland im Jahr 2015. Dieser Gedanke wird durch die Tatsache verstärkt, dass in Guayana einer von drei Lehrenden keine Festanstellung hat, im Vergleich zu nur 3% im französischen Mutterland.

Die Lücken zwischen den beiden Regionen sind also beträchtlich, und die im Jahr 2013 ergriffenen Maßnahmen haben Mühe, sie zu verringern.

Wenn wir außerdem einen regionalen Vergleich von Französisch-Guayana mit einem Nachbarland wie Brasilien anstellen, sehen wir, dass die Ungleichheiten weiter bestehen.

In Brasilien sind die Klassen überfüllt, mit etwa 50 Schüler*innen pro Klasse. Die Lehrenden sind schlecht qualifiziert und werden zu wenig wertgeschätzt. Nach dem 12. Lebensjahr besteht keine Schulpflicht mehr, 18 Prozent der 15- bis 17-Jährigen gehen nicht zur Schule. Das Problem des Analphabetismus betrifft immer noch jede*n zehnte*n Brasilianer*in über 15 Jahre, und jede*r vierte Bürger*in kann nicht gut lesen und schreiben, obwohl er oder sie zur Schule gegangen ist. Noch höher ist diese Zahl in Französisch-Guayana, wo 20 Prozent der Bevölkerung weder lesen noch schreiben können. Eines der wichtigsten Probleme in Brasilien ist die niedrige Investition in Bildung, der zum Teil ein zweitrangiger Stellenwert zugewiesen wird.

In Brasilien ist Amapá der einzige Bundesstaat, der infrastrukturell nicht mit dem Rest des Landes verbunden ist und dessen Situation der von Französisch-Guyana ähnelt. Aus diesem Grund haben die beiden Exekutiven von Guyana und Amapá, die sich ihrer gemeinsamen Interessen und Probleme bewusst sind, ein bilaterales Abkommen unterzeichnet, um eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit in Fragen wie die der Bildung zu etablieren.

Fazit

Französisch-Guayana ist mit einer Vielfalt von Kulturen und Wissen konfrontiert. Das Gesetz Nr°2013-595 vom 8. Juli 2013 zur Ausrichtung und Planung der Neugründung der öffentlichen Schulen hat insbesondere dazu beigetragen, dass die Zahl der Lehrkräfte um 44% erhöht wurde, während das Verwaltungspersonal um 24% aufgestockt wurde und 26 neue Schulen gegründet wurden. Aus wirtschaftlicher Sicht ist es wichtig zu betonen, dass durch die Bildungsreform in Französisch-Guayana fast alle Schulen im Rahmen eines verstärkten Schwerpunktbildungsnetzwerks, dem REP+, eingestuft werden und somit von den damit verbundenen finanziellen Mitteln profitieren können. Schließlich werden seit 2013 zahlreiche Stipendien an die schulisch erfolgreichsten Kinder vergeben. So konnten mehr Kinder die Schule besuchen und vor allem länger lernen.

Trotz der bedeutender Fortschritte im Bereich der Bildungspolitik bleibt es weiterhin wichtig, die Bildungspolitik zu dezentralisieren. Außerdem leidet Französisch-Guayana an mangelnder Attraktivität. Anträge auf Lehrendenabgang sind trotz der 50%igen Gehaltserhöhung zahlreich, und die Vertretung abwesender Lehrenden ist selten gewährleistet. Hinzu kommt, dass jeder dritte Lehrende im Jahr 2015 nicht fest angestellt war. Darüber hinaus waren im Jahr 2015 24% der 15- bis 19-Jährigen von Schulabsentismus betroffen, und trotz vieler Bemühungen haben 19% der 18- bis 24-Jährigen keinen Abschluss, und daher mangelnde Qualifikationen für weitere Hochschulbildung sowie Beschäftigung.

Die Herausforderungen und die Empfehlungen, die wir nach Abschluss dieser Studie an Französisch-Guayana geben können, lassen sich in mehrere Punkte gliedern:

Erstens schlagen Alby & Launey (2007) vor, dass die Lehrendenausbildung einen Fokus auf Mehrsprachigkeit und auf die Besonderheiten der jeweiligen Schule und Region legen sollte. Zu diesem Zweck empfehlen wir eine elitäre Auswahl von Lehrenden. Diese sollten fest angestellt sein und sich so besser auf die Bedürfnisse der Schüler*innen in diesem benachteiligten Gebiet einstellen können. Darüber hinaus ist die Vermeidung der Abwanderung von Fachkräften eine weitere wichtige Herausforderung für die sozioökonomische Entwicklung Französisch-Guayanas.

Quellenverzeichnis

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Den Artikel zitieren:

CANDELLIER, C. LE GALLIOT, P. (2021). Die Probleme der Bildungspolitik in Französisch-Guayana. Generation for Rights Over the World. growthinktank.org. [online] Jan. 2021.

Danksagungen

Wir danken Camille Cottais und Thomas Dufermont für ihr Korrekturlesen.

Translated by Margarethe Hoberg.

©Photo by bantersnaps on Unsplash.

References
1 BEYER, C. (2017). En Guyane, le défi de la scolarisation. Le Figaro. [online] Available at: https://www.lefigaro.fr/actualite-france/2017/04/03/01016-20170403ARTFIG00315-en-guyane-le-defi-de-la-scolarisation.php [Accessed November 2020].
2 Un témoignage en Guyane [online] Available at: https://www.un-temoin-en-guyane.com/blog/en-guyane-ecole-et-non-francophonie [Accessed November 2020].
3 ALBY, S. LÉGLIS, I. (2007). La place des langues des élèves à l’école en contexte guyanais. Quatre décennies de discours scientifiques. S. Mam Lam Fouck. Comprendre la Guyane d’aujourd’hui, Ibis Rouge Editions, pp.439-452, 2007. hal-00243071
4 Anmerkung der Übersetzerinnen: Das französische Abitur umfasst neben dem Modell des deutschen Abiturs auch eine praktischere Ausrichtung und ist somit umfassender.
5 Anmerkung der Übersetzerinnen: Als Einschulung wird in Frankreich der Eintritt in die École Maternelle bezeichnet, die mit dem deutschen Kindergarten vergleichbar ist. Allerdings lernen die Kinder in Frankreich dort meist schon das Alphabet, Zahlen oder werden an einfache Englischgrundlagen herangeführt.
6 Anmerkung der Übersetzerinnen: In Deutschland vergleichbar mit der neunten Klasse. In der zehnten Klasse beginnt in Frankreich die Oberstufe auf dem Gymnasium, dem Lycée.

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