“Ich bin kein Elefant! Ich bin kein Tier! Ich bin ein menschliches Wesen! Ich bin ein Mensch!”
( John Merrick) – The Elephant Man –

Mit dieser Aussage ruft uns David Lynch zu Toleranz und Menschlichkeit auf. Der am 9. Oktober 1980 erschienene Elefantenmensch setzt sich in einer dramatischen und poetischen Inszenierung mit der Behandlung von Menschen mit schweren angeborenen Missbildungen und Anomalien auseinander. Der Elefantenmensch zeigt uns, wie sie wegen ihrer körperlichen Behinderung zu Zirkusfigur reduziert werden und ihre Ausbeutung durch Zirkusbesitzer und andere Scharlatane gerechtfertigt wird. Der Film lehnt an den Memoiren von Dr. Frederick Treves, “The elephant man and other reminiscences” und dem Buch von Ashley Montagu an, “In part on the elephant man: a study in human dignity”. Der Elefantenmensch zeigt uns durch diese Geschichte nach einer wahren Begebenheit, dass die wahren Monster nicht diejenigen sind, die wir dafür halten.

Der Film lässt uns in das Jahr 1884 in London eintauchen und macht uns mit John Merrick (gespielt von John Hurt) bekannt, einem Mann mit schweren Missbildungen, der von seinem Besitzer Bytes (gespielt von Freddie Jones) ausgebeutet wird, indem er ihn in Shows auftreten lässt. John trägt den Spitznamen Elefantenmann, nachdem seine Mutter während ihrer Schwangerschaft von einem Elefanten zertrampelt wurde. John Merricks Leben wird umgeworfen, als Dr. Frederick Treves, ein berühmter Chirurg in London, sich aus wissenschaftlicher Neugier für ihn und vor allem für seine körperliche Kondition zu interessieren beginnt. Dr. Treves bittet darum, sich John Merrick auszuleihen, um ihn zu untersuchen und ihn danach in ein Einzelzimmer in einem Krankenhaus zu bringen, weit weg von allen anderen Patient*innen, um sie nicht zu schockieren.

Zunächst geht Dr. Treves davon aus, der Elefantenmensch sei intelligenzlos und unfähig, sich auszudrücken. Merrick gelingt es jedoch, mit dem Arzt zu kommunizieren, indem er ihm eine ganze Bibelstelle vorträgt. Frederick Treves entdeckt so ein sensibles Wesen, das sich in einem perfekten Englisch äußert und sehr intelligent ist.

“Manchmal sage ich, dass mein Kopf so groß ist, weil er voll mit Träumen ist.”
(John Merrick) – The Elephant Man –

Elephant Man gibt auch Aufschluss über das viktorianisch-englisches Leben, indem sich Merrick entwickelt. Die Zuschauer*innen entdecken die Mängel dieser Gesellschaft, in der verschiedene soziale Klassen und ihre Laster aufeinander treffen. Doch ob gewalttätige Scharlatane oder kleinliche Aristokraten, sie alle benutzen Merricks Aussehen für lukrative, verräterische und gesundheitsschädliche Zwecke. John Merrick begegnet ihrer Betrügerei mit Höflichkeit und Respekt gegenüber seinem Herrn. Dieser Kontrast macht jedes Treffen zwischen Merrick und diese Gesellschaft aufwühlend. Ein Gegensatz zwischen den Untugenden dieser englischen Gesellschaft und dem bedingungslosen Glauben des “Zirkusfreak”.

“- Können Sie sich vorstellen, welch Hölle sein Leben gewesen sein muss?
Ja, ich glaube ich kann.
– Ich bezweifle das. Niemand auf der ganzen Welt kann sich so etwas denken, denn es übersteigt alle Vorstellungen…”
(Carr Gomm und Frederick Treves) – The Elephant Man –

Diese melodramatische Erzählweise verdeutlicht, wie genial Lynch Fragen der Moral analysiert, die er durch den Blickkontakt der Schauspieler neu sichtbar macht. Wir werden Zeuge wie Dr. Treves durch seine Sicht auf Merrick in Frage gestellt wird, durch Nahaufnahmen im Hintergrund hervorgehoben. Dieses Spiel verändert sich, als Dr. Treves die Menschlichkeit von John Merrick entdeckt. David Lynch entscheidet sich für eine Schwarz-Weiß Darstellung, eine künstlerische Wahl, die es ermöglicht, John Merricks Körper ohne Artefakte zu entdecken und ihn so durch das Spiel mit den Schatten und Kontrasten hervorzuheben.

Mit zehn Oscar-Nominierungen, vier Golden Globes-Nominierungen und einem César für den besten ausländischen Film ist Der Elefantenmensch zweifellos ein humanistisches Meisterwerk des 20. Jahrhunderts. Es ist ein ergreifender Film, der auf brillante Weise alle Grausamkeiten, aber auch die Schönheit der Menschheit in Frage stellt.

Translated in by Eike Hinrichsen & Naomi Ouattara.

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