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Nach der WHO-Definition sind etwa 10% der Weltbevölkerung oder 650 Millionen Menschen von Behinderungen betroffen. Das macht sie zu einer der größten Minderheiten der Welt! Sie wird jedoch nach wie vor tabuisiert, unterrepräsentiert und diskriminiert. Seit 1992 wird der Internationale Tag der Behinderung am 3. Dezember begangen. Dieser Tag macht die Rechte von Menschen mit Behinderungen und die Vorteile ihrer Integration in die Gesellschaft sichtbar und sensibilisiert die Öffentlichkeit. Dieser Artikel besteht aus vier verschiedenen Teilen. Er erörtert die Geschichte der Behinderung im Laufe der Zeitalter, die Kultur der Behinderung als Identitätsstiftung, soziologische Einstellungen als Reaktion auf Behinderung und bietet schließlich eine vergleichende Studie über die Situation der Behinderung in Frankreich, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten.

Einleitung

“Menschen mit Behinderungen gehören zu den am stärksten marginalisierten Gruppen in der Welt. Sie haben einen schlechteren Gesundheitszustand, ein niedrigeres Bildungsniveau, eine geringere Teilnahme am Wirtschaftsleben und höhere Armutsraten als Menschen ohne Behinderungen.

Behinderung wird heute als eine Frage der Menschenrechte betrachtet. Die betroffenen Menschen werden durch die Gesellschaft und nicht nur durch ihren Körper behindert.

Diese Barrieren können überwunden werden, vorausgesetzt, dass Regierungen, Nichtregierungsorganisationen und Menschen mit Behinderungen und ihre Familien zusammenarbeiten.”

Weltgesundheitsorganisation, 20201

Anlässlich des Weltbehindertentages stellt GROW Menschen mit Behinderungen in den Mittelpunkt, um die bisherige Entwicklung weltweit aufzuzeigen und die Rechte hervorzuheben, die Behinderte heute genießen. Ziel des Tages und insbesondere dieses Artikels ist es, das Bewusstsein zu schärfen, die Rechte von Menschen mit Behinderungen bekannt zu machen und über die Vorteile der Einbeziehung von Menschen mit Behinderungen in unsere Gesellschaft zu informieren2.

Im Larousse-Wörterbuch heißt es: “Behinderung ist eine Einschränkung der Aktivität oder Einschränkung der Teilnahme an der Gesellschaft aufgrund einer Veränderung der sensorischen, physischen, mentalen, kognitiven oder psychischen Fähigkeiten. Bildlich gesprochen wird Behinderung als ein Nachteil definiert, der die Person in einen Zustand der Minderwertigkeit versetzt”3.

Die einfache Definition deutet auf ein negatives Image und ein Minderwertigkeitsgefühl hin, das durch diesen übertragenen Sinn mit Behinderung verbunden ist.

Um zu verstehen, wie wir mit Behinderung umgehen werden, müssen einige Schlüsselbegriffe im Zusammenhang mit der mit Behinderung verbundenen Marginalisierung und Peinlichkeit definiert werden.

“Das Tabu ist ein Thema, das aus Gründen des sozialen oder moralischen Anstands nicht zur Sprache gebracht werden sollte.”4 “Marginalisierung ist der Akt, jemanden von der Gesellschaft abzugrenzen, ihn außerhalb des Zentrums einer Aktivität zu stellen.”5

In diesem Dossier werden wir uns mit verschiedenen Aspekten im Zusammenhang mit Behinderung befassen. Zunächst werden wir die Geschichte der Behinderung nachzeichnen. Zweitens werden wir seine Kultur und Identität diskutieren. Als nächstes werden wir Behinderung aus einer soziologischen Perspektive untersuchen. Dann werden wir, um unseren Standpunkt konkreter zu veranschaulichen, eine Fallstudie erstellen, in der wir die Situation behinderter Menschen in Frankreich, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten vergleichen. Abschließend werden wir diesen Artikel mit einigen Empfehlungen für Verbänden und Filmen beenden. Jeder Teil kann unabhängig von den anderen gelesen werden.

Teil 1

Die Geschichte der Behinderung Partie I : L’Histoire du handicap

Antike

In der Antike waren Menschen mit Behinderungen völlig von der Gesellschaft ausgeschlossen. Sie wurden als unreine Wesen und Opfer von göttlichen Flüchen wahrgenommen.

Mittelalter

Im Mittelalter wurden Menschen mit Behinderungen anerkannt, aber eingesperrt. Man glaubte, dass sie in ihrem vorherigen Leben eine Sünde begangen hatten und dass Gott deshalb beschlossen hatte, sie mit einer körperlichen Behinderung zu bestrafen. Missbildungen wurden daher als von Gott gesandte Strafen angesehen, um Menschen für ihre Sünden zu bestrafen. Dieser Mythos war eine Art Propaganda, die körperlich nicht behinderte Menschen (wie Nichtbehinderte genannt werden) zu vorbildlichem Verhalten anstachelte.

Im Laufe der Jahre erschienen viele Hospize (die französischen Vorfahren der Krankenhäuser und Sozialdienste). Sie sind für die Armen, Kranken und Behinderten bestimmt. Ein Fortschritt für die Zeit, aber ein relativer Fortschritt: Diese Menschen sind nur teilweise in die Gesellschaft integriert, weil ihre Behinderung manchen Menschen Angst macht. Sie werden deshalb eingesperrt, um den Rest der Gesellschaft nicht zu “stören”.

Mit dem medizinischen Fortschritt und der Entwicklung des Glaubens ist es nicht mehr die Religion, die zur Erklärung der Existenz von Menschen herangezogen wird, die als “Opfer” einer Behinderung angesehen werden, sondern es sind die Mütter psychotischer Kinder, die von der Mehrheit der Ärzteschaft beschuldigt werden, für die Pathologie ihres Kindes verantwortlich zu sein. Die Behinderung wäre also auf die Ausbildung, die das Kind erhält, zurückzuführen und nicht auf eine rein medizinische Beeinträchtigung.

17. Jahrhundert

Das 17. Jahrhundert ist ein Synonym für Fortschritt und Veränderungen. Behinderung wird aus medizinischer Sicht interpretiert, so dass die Betroffenen nicht nur aus sozialer, sondern vor allem aus gesundheitlicher Sicht betreut werden können. Einige Menschen werden behandelt und geheilt. Die neuen Strömungen dieses Jahrhunderts, insbesondere die Philosophen der Aufklärung, beziehen nach und nach auch Menschen mit Behinderungen ein, um ihnen einen Platz in der Gesellschaft zu geben. Dank Voltaire, Montesquieu oder Rousseau werden diese Menschen in einigen Schriften als gleichwertig mit anderen Menschen betrachtet: Die zitierten Philosophen postulieren, dass sie deshalb mit dem gleichen Respekt behandelt werden sollten wie nicht behinderte Menschen.

Darüber hinaus verfasste Diderot mehrere Schriften, um die Gelehrten für die Situation von Menschen mit Behinderungen zu sensibilisieren. Zu seinen Büchern gehören der Gehörlosenbrief für die Hörenden und der Blindenbrief für die Sehenden. Er betont die intellektuelle Gleichheit, um Bildung und Unterricht für Menschen mit Behinderungen zugänglich zu machen.

Der Abt von Épée gründete die erste Schule für Taubstumme. Er initiiert das Konzept der Gebärdensprache, um Taubstummen die Kommunikation und damit den Zugang zu Bildung zu ermöglichen.

Erst im 18. Jahrhundert begann sich die Integration von Menschen mit Behinderungen in die Gesellschaft abzuzeichnen. Bei dieser (teils sehr beschränkten) Integration spielten Philosophen und religiöse Menschen eine Rolle, die dafür eintraten, dass behinderte Menschen durch Unterricht und Erziehung zu mehr Selbstständigkeit angeregt werden sollten.

19. Jahrhundert

Seit dem 19. Jahrhundert wollte Victor Hugo durch seine Romane “die Literatur zu einem Spiegel des universellen Lebens” machen. Dann nahm er auch Figuren mit Behinderungen in seine Romane auf, die berühmteste war der Glöckner von Notre-Dame, Quasimodo. Im gleichen Jahrhundert kamen die ersten Prothesen aus gekochtem Leder auf. Dies war ein weiterer Schritt in der Integration von Menschen mit Behinderungen. Die Sichtbarkeit von Menschen mit Behinderungen in der Literatur ermöglichte es, sie stärker in die Öffentlichkeit zu rücken und so medizinische Fortschritte voranzutreiben.

Während Menschen mit motorischen Behinderungen stärker in die Gesellschaft eingebunden sind, werden Menschen mit geistigen Behinderungen viel weniger einbezogen. Sie werden in Irrenanstalten geschickt, um sie dort entsprechend ihrer Fähigkeiten auf Feldern arbeiten zu lassen. Es kann also von Zwangsarbeit oder sogar von Sklaverei gesprochen werden. Die größte Irrenanstalt in Europa, in der Nähe von Clermont-en-Beauvaisis gelegen, wurde 1880 geschlossen.

20. Jahrhundert bis heute

Im zwanzigsten Jahrhundert wurden Gesetze für Menschen mit Behinderungen geschaffen und Vereinigungen zur Verteidigung ihrer Rechte gegründet. Sie ermöglichten es, Menschen mit Behinderung auf spezifischere Weise in die Gesellschaft einzubeziehen: dies ist der Zweck des Gesetzes von 1901. Dank ihr konnten Verbände wie die Nationale Föderation für die Eingliederung von Menschen mit Sinnesbehinderungen und DYS6 in Frankreich (FISAF), die Föderation behinderter Arbeitnehmer, der Verband gelähmter Menschen in Frankreich (APF) und viele andere zur Gleichberechtigung von Nichtbehinderten und Menschen mit Behinderungen beitragen.

Im Jahr 1905 wurde das Gesetz über die Hilfe für ältere, verkrüppelte und unheilbar kranke Menschen verabschiedet. Es sieht eine Unterstützung für abhängige Personen vor, um sie so gut wie möglich in die Gesellschaft zu integrieren und ihnen trotz ihres Autonomieverlustes ein normales Leben zu ermöglichen.

1975 wurde das Gesetz zur Orientierung zugunsten behinderter Menschen verabschiedet: “Prävention” und “Screening” von Behinderungen werden darin ebenso privilegiert wie das Recht auf Zugang zu Bildung und auf einen Arbeitsplatz für behinderte Menschen.

Das Gesetz über die Zwangsbeschäftigung behinderter Arbeitnehmer, Kriegsversehrter und ähnlicher Personen erschien 1987. Es fordert, dass alle Personen im Arbeitsleben einbezogen werden und dass es keine Diskriminierung geben darf.

Im Jahr 2005 wurde die Invaliditätsentschädigungsleistung (Prestation de Compensation du Handicap, PCH) eingeführt: Dabei handelt es sich um eine von dem Département (Land) gezahlte Finanzhilfe, mit der bestimmte Ausgaben im Zusammenhang mit dem Verlust der Autonomie erstattet werden. Dieses neue Gesetz ist innovativ, aber unvollendet, weil es eine finanzielle Herausforderung für den Staat darstellt. Letzterer verfügt nicht über das notwendige Budget, um den Bedürfnissen aller Menschen mit Behinderungen gerecht zu werden. Im Jahr 2016 wurden mehr als 40 Milliarden Euro für das PCH gezahlt. Zweitens berücksichtigt die Leistung nicht die Rolle der Pflegekraft: eine Person, die dem Menschen mit Behinderung im Alltag hilft bestimmte Handlungen auszuführen (beim Duschen, in der Küche etc.). Schließlich ist darauf hinzuweisen, dass die Leistungen nicht an Kinder angepasst sind. So sind beispielsweise Hilfsgegenstände oft nicht an ihre Größe angepasst.

Um Lösungen zu finden, könnte es notwendig sein, dem britischen Modell zu folgen. Dieses besteht darin, den Verbänden mehr Beiträge zu zahlen, was es ihnen ermöglichen würde, ihrer Stimme Gehör zu verschaffen und die Rechte von Menschen mit Behinderungen wirksamer zu verteidigen. Zudem würden höhere Steuern es dem Staat ermöglichen, für die vom FCH betroffenen Menschen bestmöglichst zu investieren, sodass sie die geeignetste Unterstützung in Anspruch nehmen können. Außerdem hätte der Staat weniger Schulden und könnte so mehr geben, um die Rechte aller durchzusetzen. Unter den derzeitigen Bedingungen in Frankreich würde eine Steuererhöhung die französische Wirtschaft jedoch nur verschlechtern. Daher könnte die Revision der Verteilung des Staatshaushalts eine weitere Lösung sein, um alle Einwohner Frankreichs einzubeziehen, ohne sie um mehr zu bitten.

Heute sind viele soziale, politische und medizinische Fortschritte nachgewiesen. Aber die Mittel, die für die Anpassung öffentlicher Plätze für Menschen mit Behinderungen zur Verfügung gestellt werden, werden noch nicht überall entsprechend eingesetzt, was beweist, dass es noch ein weiter Weg ist7.

Teil II

Kultur und Identität der Behinderten/ Culture et identité du handicap

Definitionsprobleme von Behinderung 

Die Begriffe “Behinderung” und “Handicap” decken ein breites Spektrum von Menschen und Realitäten ab. Die beiden emblematischen Figuren der Behinderung, Menschen mit Down-Syndrom und Querschnittsgelähmte, umfassen bei weitem nicht die gesamte Komplexität von Behinderung. Es ist daher notwendig, Behinderung in einer anderen Weise zu definieren, wenn wir die unterschiedlichen Realitäten verstehen wollen, die von den betroffenen Menschen erlebt werden. Artikel 2 des Gesetzes vom 11. Februar 2005 über gleiche Rechte und Chancen, Teilhabe und Staatsbürgerschaft von Menschen mit Behinderungen bietet eine erste Definition von Behinderung:

“Für die Zwecke dieses Gesetzes ist eine Behinderung definiert als jede Einschränkung der Tätigkeit oder der Teilhabe an der Gesellschaft, die eine Person in ihrem Umfeld infolge einer erheblichen, dauerhaften oder dauerhaften Beeinträchtigung einer oder mehrerer körperlicher, sensorischer, geistiger, kognitiver oder psychischer Funktionen, einer Mehrfachbehinderung oder einer behindernden Störung erleidet.”

Doch wie der Psychiater und Arbeitsmediziner Claude Veil feststellt: “Behinderte Menschen sind eine soziale Gruppe mit unpräzisen Konturen”. So geben laut einer Umfrage zur Behinderung-Invalidität-Abhängigkeit zwischen 3 und 15% der Franzosen im Alter von 17 bis 59 Jahren an, mehr oder weniger behindert zu sein8. Behinderungen sind daher eine subjektive Frage, da sie ein Gefühl und eine Erfahrung darstellen, die von den betroffenen Personen abhängen. Diese neue Art des Denkens über Behinderung wird von der Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, der Behinderung und Gesundheit berücksichtigt, die auf eine Wahrnehmung von Behinderung besteht, die die Verringerung oder Verschlimmerung verschiedener Arten von Behinderung sowie kontextuelle Faktoren und den Einfluss der Umwelt integriert. Diese Wahrnehmung ermöglicht die Anpassung von Behandlungen und Hilfsmitteln an Veränderungen der Behinderung.

Woher kommt der Begriff “handicap”?

Der Begriff “handicap” wurde erstmals 19579 in einer Rechtsvorschrift über die Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen verwendet. Mit dem Behindertenorientierungsgesetz vom 30. Juni 1975 wurde angestrebt, ein weniger diskriminierendes Vokabular zu verwenden als bestimmte zuvor verwendete Begriffe wie gebrechlich, unangepasst, behindert usw. Durch diese neue Bezeichnung schafft die Gesellschaft negative oder stigmatisierende Konnotationen ab. Zudem stellt dieser Schritt auch einen Beginn zu einem neuen Ansatz und Umgang mit Behinderung dar.

Der Begriff “handicap” ist aufgrund seiner individuellen und subjektiven Dimension mit dem Bereich der Gesundheit verbunden, aber auch mit dem Bereich des Rechts, da es das Gesetz ist, das definiert, wer den Status einer behinderten Person haben kann und wer nicht. Diese Zuständigkeit ist der Kommission für die Rechte und die Autonomie behinderter Menschen vorbehalten10, die als einziges Gremium den Grad der Behinderung einer Person bestimmt und ihr somit einen Ausgleich in Arbeit oder Ausbildung zusprechen kann. Dies ermöglicht der behinderten Person den Zugang zu diesem Begünstigtenstatus und zu der im Gesetz vom 11. Februar 2005, in Artikel 2, festgeschriebene Gleichberechtigung: “Recht auf nationale Solidarität, das allen Bürgern den Zugang zu den anerkannten Grundrechten sowie die volle Ausübung ihrer Staatsbürgerschaft garantiert”.

Das Wort “handicap” wird sowohl für Menschen mit Beeinträchtigungen oder Behinderungen im medizinischen Bereich als auch für den Grad der Einschränkung, Schwierigkeit oder Benachteiligung im sozialen Bereich verwendet. In Bezug auf letztere wird Behinderung und ihre Darstellung nicht normalisiert, sondern von der Gesellschaft in Form von Abnormalität und Marginalität dargestellt.

Der Begriff “handicap” definiert sich also in einer ständigen Konfrontation zwischen dem medizinischen und dem sozialen Bereich, aber auch zwischen Vorstellungen davon, was normal und was kraftheft ist.

Unsere Art und Weise, über Behinderung nachzudenken, beschränkt sich daher nicht nur auf die von Institutionen und verschiedenen Organisationen geschaffenen Denkweisen, sondern muss auch in einer Beziehung zwischen behinderten und nicht behinderten Menschen geschaffen werden11.

Die Objektivierung singulärer Erfahrungen zur Schaffung einer kollektiven Identität

Da Menschen mit Behinderungen sich nicht durch ihre subjektiven Erfahrung zusammenschließen können, nutzen sie dazu ihre gesellschaftliche Erfahrungen, die sie alle teilen: den Ausschluss aus der Gesellschaft. Die Umwandlung einer einzigartigen Erfahrung in eine gemeinsame Erfahrung kann in zwei Stufen erfolgen: zunächst durch Sozialisierung und Politisierung, dann durch Versachlichung dieser Erfahrung. Objektivierung markiert einen Unterschied zwischen der Subjektivität der einzigartigen Erfahrung und der gemeinsamen Erfahrung. Dank dieser Objektivierung wird die Behinderung vom Individuum losgelöst, um eine soziale, politische und objektive Realität darzustellen. Es ist nicht mehr die Unfähigkeit des Einzelnen, sich an die Gesellschaft anzupassen, sondern die Unfähigkeit der Gesellschaft, ihn oder sie einzubeziehen. Sie ermöglicht es Menschen mit Behinderungen, sich von der Verantwortung für ihre Behinderung zu befreien und zu politischen Akteuren zu werden, die eine Veränderung der Gesellschaft anstreben12.

Behindert durch die Gesellschaft

Die Gesellschaft hat einen Einfluss auf die Entstehung einer Behindertenidentität. Menschen mit Behinderungen sind sowohl moralisch als auch materiell schlecht integriert. Sie leiden unter Diskriminierung, aber auch unter mangelnden an ihre Situation angepassten Infrastrukturen.

Laut einer Studie der Europäischen Kommission13 sind 85 % der Befragten der Ansicht, dass der Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln für Menschen mit körperlichen Behinderungen schwierig ist, und 59 % glauben, dass der Zugang zu Schulen und Universitäten für blinde Menschen schwierig ist. Angesichts dieser Art von Ausgrenzung entstehen Bewegungen mit dem Ziel, die Gesellschaft integrativer zu gestalten, wie die Disabled in Action (DIA) in den Vereinigten Staaten oder die Union of Physically Disabled People Against Segregation (UPIAS) in Großbritannien.

Die Briten bevorzugen den Begriff “Menschen, die von der Gesellschaft behindert werden”, anstatt sich einfach auf “behinderte Menschen” zu beziehen, was bedeutet, dass Behinderung von der Gesellschaft geschaffen wird und nicht von den Menschen, die mit ihr leben. Menschen mit Behinderungen verwandeln ein negatives Image, das durch die Umkehrung der Stigmatisierung geschaffen wurde, in eine positive Identität. Die Ausgrenzung aus der Gesellschaft hat für sie Auswirkungen auf Bildung, Karriere und Gemeinschaftsleben. Sie beeinträchtigt ihr Selbstwertgefühl und kann dazu führen, dass sie ein schlechtes Selbstbild haben, obwohl eine Person mit einer körperlichen Behinderung das gleiche Bildungspotenzial und die gleichen intellektuellen Fähigkeiten haben kann wie eine Person ohne Behinderung.

Ablehnung der Behindertenidentität: eine Herausforderung und ein “Selbstverlust”?

Einige Menschen mit Behinderungen betrachten sich jedoch nicht als behindert. Für diese Situation gibt es zwei mögliche Erklärungen. Die erste ist die Folge der Konformität, die man als Standardisierung bezeichnen kann. Menschen mit Behinderungen versuchen, als nicht behinderte Menschen zu leben. Um sich in die Gesellschaft zu integrieren, versuchen sie ihr Leben so normal wie möglich zu gestalten, um akzeptiert zu werden. Doch die Forschung über Identität, das Selbst und Behinderung charakterisiert diese Normalisierung14 als einen “Selbstverlust”. Die Leugnung des Selbst sei belastend und würde der Person die wahre Identität nehmen15.

Die zweite Erklärung könnte eine Akzeptanz der Behinderung als ein Merkmal sein, das nicht die gesamte Persönlichkeit der Person erfasst. Dies wäre die beste Ansicht, da sie eine angemessene Unterscheidung zwischen Behinderung und Beeinträchtigung ermöglichen würde. Von dieser Argumentation aus kann eine Behinderung nicht rechtfertigen, jemanden auszuschließen oder seine Menschlichkeit abzuwerten. Die Entscheidung, Behinderung als integralen Bestandteil der Identität zu integrieren, steht im Einklang mit der Idee, dass objektive soziale Erfahrungen durch subjektive Erfahrungen bereichert werden müssen. Für Sally French und Liz Crow16 muss diese subjektive Erfahrung wieder in das Sozialmodell eingebracht werden, um einige Menschen nicht von der Bewegung auszuschließen und um eine angemessene Antwort auf die intrinsischen Erwartungen von Behinderungen zu geben. Darüber hinaus, so heißt es dort: “Sich selbst und seine Behinderung zu kennen, ist der erste Schritt zum Empowerment”17.

Menschen mit Behinderungen ist es gelungen, eine Identität der Behinderung zu schaffen, indem sie sich um eine objektive soziale Erfahrung der Ausgrenzung aus der Gesellschaft herum zusammenfinden, die durch eine subjektive Erfahrung bereichert wird. Diese positive Identität wird gegen die negative Vorstellung von der Gesellschaft geschaffen, die bei manchen Menschen zur Verleugnung der Behinderung führt. Um integrativer zu sein, muss die Gesellschaft Behinderung als ein Merkmal und nicht als eine allgemeine Identität betrachten.

Teil III

Behinderung und Sozialverhalten  Handicap et comportement sociologique

Schuld und Mitleid 

Im Mittelalter galten Missbildungen als Strafe Gottes. Als Strafe für die Sünden, die von Menschen mit Missbildungen begangen wurden. Die Behinderung dieser Menschen ließe sie “für ihre Sünden büßen”. Während Menschen mit Behinderungen zunächst ein Schuldgefühl gegenüber sich selbst und ihren “Fehlern” empfinden, wird diese Schuld nach und nach auf ihre Eltern abgewälzt. Die Mutter, die ein Kind mit einer Behinderung zur Welt bringt, wurde von den Mediziner*innen für die Missbildungen ihres Kindes verantwortlich gemacht. Aber wie sieht es heute mit dieser Schuld aus? Ist dieses Gefühl wirklich verschwunden? Einige Verkehrssicherheitskampagnen würden versuchen, uns zu sagen, dass dies nicht der Fall ist.

Im Jahr 2015 zeigte eine Verkehrssicherheitskampagne mit dem Titel “Wie lange”18 die Schwierigkeiten in der “Nach-Unfall-Periode” für die Opfer schwerer Verkehrsunfälle auf. Dieser Filmspot spaltete die Gemeinschaft der Behinderten. Tatsächlich finden einige Menschen in diesem Film Hoffnung auf ein Leben nach der Tragödie und ein gutes Bewusstsein für die Gefahren der Straße : “Da ich zu den Opfern eines dieser Unfälle gehöre, finde ich diese Kampagne großartig”, sagt Bertille Baudino auf Facebook.

Einige sehen darin jedoch eine entwürdigende Botschaft in Bezug auf Behinderung und behinderte Menschen, wie Elena Chamorro, Mitglied des Kollektivs “Non au Report”, die in einem Beitrag in einem Forum schreibt: “Wie lange werden wir noch glauben, dass Behinderung nur eine Tragödie sein kann? (…) Das Leben nach dem Unfall, mit einer Behinderung, wäre ein kaputtes, nicht heilbares Leben, im Gegensatz zum glücklichen Leben davor, dem einzig “wertvollen”, dem vor dem Unfall”19. Durch die Verbindung von Behinderung mit Verkehrsunfällen wird das Bild der Behinderung als eine zu befürchtende oder zu bedauernde Tragödie aufrecht erhalten. Bei einer Behinderung geht es jedoch nicht nur um tragische Unfälle, sie ist meist schon von Geburt an vorhanden. Sie systematisch mit Unfällen in Verbindung zu bringen, führt daher zu Schuldgefühlen auf Seiten der Menschen mit Behinderungen. Beim Betrachten dieses Spots sind wir versucht, uns zu sagen: “Ich werde unterwegs vorsichtig sein, ich will nicht so enden wie sie”. Ein Gedanke, den Yann Beauson, Kommunikationsdirektor der APF, teilt: “Dieser Spot ist unverantwortlich. Er benutzt behinderte Menschen als Abschreckung: “Das ist es, was wir auf keinen Fall werden dürfen”. Um eine edle Sache zu verteidigen, die Verringerung der Zahl der Verkehrsunfälle, verschlechtert sie das Image von Menschen mit Behinderungen. Ich frage mich auch nach der Kohärenz der Kommunikationspolitik der Regierung. Die Straßensicherheitsbehörde, eine öffentliche Einrichtung, sendet diesen Spot, in dem Menschen mit Behinderungen als Abschreckung eingesetzt werden, während andere Ministerien verkünden, dass sie arbeitsfähig sind und zur Schule gehen können”. Die Darstellung von Menschen mit Behinderungen als ein Mittel der Abschreckung verewigt das Gefühl von Mitleid, Schuld und Marginalisierung von Menschen mit Behinderungen als die Schuldigen20.

Das Helfer-Syndrom

Das Helfer-Syndrom ist eine psychische Störung, die sich in übermäßigem Einfühlungsvermögen gegenüber anderen und dem Bedürfnis nach Hilfe unter allen Umständen äußert. Obwohl die/der “Retter*in” oft altruistische Absichten hat, verbirgt sich hinter diesem Syndrom oft das Bedürfnis nach ständiger Dankbarkeit, die dem “Opfer” nicht wirklich zugute kommt. Das Helfer-Syndrom tritt auf, wenn dieses Bedürfnis dazu beitragen soll, die Beziehung zu einer Person zu konditionieren. Hier werden wir Menschen mit Behinderungen als “Opfer” dieses Syndroms bezeichnen. Inwiefern ist dieses Syndrom hinter der altruistischen Fassade gefährlich?

Obwohl der Wunsch nach Rettung die betroffene Person optimistisch und unternehmungslustig macht, idealisiert er fälschlicherweise die Fähigkeit der Person mit einer Behinderung, ihre Schwierigkeiten zu überwinden, aber auch die Wirksamkeit der für sie geleisteten Hilfe. Diese Haltung birgt zwei Risiken. Das erste Risiko besteht darin, dass die/der “Retter*in” sein/ihr Verständnis für die Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der Behinderung idealisiert und sich nicht die nötige Zeit nimmt, um der Person mit einer Behinderung zuzuhören. Das zweite Risiko ist schwerwiegender als das erste. Es besteht die Gefahr der Entwertung aller Hilfsmittel oder Aktionen, die bereits für Menschen mit Behinderungen durchgeführt wurden. Das Helfer-Syndrom führt oft dazu, dass die Betroffenen die bisherigen Maßnahmen und Hilfen für Menschen mit Behinderungen für unzureichend oder unangemessen halten. Wenn man in diese Haltung verfallen ist, wird die Empörung durch die Leichtigkeit der “Just do it”-Haltung noch verstärkt: “Wir müssen nur die öffentlichen Verkehrsmittel und Aufzüge verbessern”, ”wir müssen nur mehr spezialisierte Einrichtungen schaffen”, “wir müssen nur mehr Krankenschwestern einstellen oder die Beihilfe für Behinderte erhöhen” usw.

Die permanenten Aktionen dieser “Retter” sind eigentlich wirkungslos, weil sie die einzigen Nutznießer sind. Ihre Einstellung gibt ihnen das Gefühl und den Eindruck, gerecht und gut zu sein. In Wirklichkeit tröstet diese Phantasie der Wiedergutmachung, wie das Gefühl des Mitleids und der Nächstenliebe, von dem wir gerade gesprochen haben, nur die Person, die sie erlebt, und nicht das “Opfer”.

Das Paradox der Abhängigkeit

Das letzte Hindernis von Empathie für Menschen mit Behinderungen ist, dass einigen von ihnen ihre Abhängigkeit angenommen haben. Es ist ein Paradoxon der Abhängigkeit, dass wir uns unbewusst auf andere verlassen wollen, es uns aber nicht erlauben, abhängig zu sein. Dieses Abhängigkeitsverbot ist von unserer Gesellschaft gewollt, die die Autonomie idealisiert und fördert. Aber warum haben wir Angst vor der Abhängigkeit?

Wir fürchten die Abhängigkeit, weil wir als Kinder abhängig waren. Im Laufe der Zeit entwickelt sich unser Verhältnis zur Anhängigkeit:

In der Kindheit sind wir ständig von einer anderen Person abhängig: Wir sind auf unsere Eltern angewiesen, um zu essen, uns zu bewegen, sprechen zu lernen und so weiter. In der frühen Kindheit versuchen wir, die Abhängigkeit, die wir als Baby hatten, zu verlängern, indem wir unsere Eltern bitten, uns zu tragen, damit wir zum Beispiel nicht laufen müssen.

Während der Pubertät und der Adoleszenz beginnen wir, eine gewisse Unabhängigkeit anzustreben. Von diesem Moment an wechseln wir zu dem Gedanken, dass wir keinen “Rückschritt” mehr machen sollten.

Im Erwachsenenalter haben wir die Anweisung, dass wir immer “Fortschritte” machen sollten. Wenn wir erwachsen werden, haben wir das Bedürfnis, immer unabhängiger zu werden, bis wir absolute Unabhängigkeit erreichen. Wir haben Angst davor, passiv oder manipulierbar zu werden, eine Angst, die eigentlich den Wunsch verbirgt, die Last der Freiheit und Verantwortung loszulassen.

Wie wirkt sich diese Angst vor Abhängigkeit auf die gesellschaftliche Sichtweise von Behinderung aus? Behinderung bedeutet oft eine Abhängigkeit von finanzieller, materieller oder menschlicher Unterstützung. Die Ideologie der Unabhängigkeit führt uns dazu, jene Menschen mit Behinderungen als Held*innen zu betrachten, denen es “trotz” ihrer Behinderung gelingt, unabhängig zu sein.

Der englische Psychoanalytiker Mikaël Balint21 hatte diesen Anspruch der Unabhängigkeit als absoluten Wert bereits angefochten. Er verbindet Reife nicht mit Unabhängigkeit, sondern vielmehr mit der Akzeptanz unserer Abhängigkeit von dem, was uns glücklich macht.

Um reif zu werden, sollten wir also nicht nur die Abhängigkeit von Gleichaltrigen akzeptieren, sondern auch von allen Arten von Maschinen und Geräten um uns herum, die uns das Leben erleichtern sollen. Prothesen ermöglichen Menschen mit Behinderungen, die sie brauchen, um ihr tägliches Leben zu verbessern, sich zu bewegen, zu essen oder sich verständlich zu machen. Diese wertvolle Hilfe, die sie leisten, zeigt die Verirrung der Angst, von diesen Objekten und Maschinen abhängig zu sein.

Diese Überlegungen legitimieren den Kampf um die Akzeptanz des Wunsches nach Abhängigkeit, der auf zwei Ebenen geführt werden muss. Erstens müssen wir lernen, die Ängste zu erkennen, die Behinderungen verursachen. Zweitens müssen wir die Hilfsmittel zugänglicher und sichtbarer machen, die der Marginalisierung von Menschen mit Behinderungen in ihrem täglichen Leben ein Ende setzen werden22.

Teil IV

Vergleichende Studie: Behinderung in Frankreich, im Vereinigten Königreich und in den Vereinigten Staaten

Nun werden wir die Behindertenthematik umfassender betrachten. Der französische Ansatz tatsächlich nur einer unter vielen: In jedem Land wird Behinderung auf unterschiedliche Weise gehandhabt, und es gibt viele Gesetze und Vorkehrungen, um die Betroffenen einzubeziehen. Wir haben uns dafür entschieden, die Arbeitsweise Frankreichs, des Vereinigten Königreichs und der Vereinigten Staaten auf Grundlage der Artikel der Charta der Vereinten Nationen zu vergleichen. Wir werden die Betreuung von Menschen mit Behinderungen im Verkehrswesen, die verschiedenen Ausbildungsmöglichkeiten sowie die medizinische Versorgung diskutieren. Zudem werden wir die Erwartung und Realität der Integrationspolitik analysieren und mit der Aufnahme von Menschen mit Behinderungen am Arbeitsplatz schließen.

Die Wahrnehmung von Menschen mit Behinderungen

In Frankreich ist die Mentalität als solche gemeint: Menschen, die von der Norm abweichen ziehen Blicke auf sich. Wenn sie nicht der Norm entsprechend gehen oder reden, werden sie als anders empfunden und daher von den Franzosen weniger akzeptiert. Dies ist bei Menschen mit sichtbaren Behinderungen der Fall. Auf der Straße erhalten sie aufdringliche Blicke von Menschen, die neugierig sind und ihr Verhalten und ihr Aussehen in Frage stellen. Aber gleichzeitig haben diese Menschen den Willen zu helfen, ohne wirklich zu wissen, wie sie helfen können: eine der Grenzen des Willens zur Integration.

In England werden Menschen mit Behinderung im Vergleich besser wahrgenommen: Engländer sind eher bereit, einer blinden Person zum Beispiel im Straßenverkehr zu helfen. Wenn sich eine blinde Person in einem Zug oder Flugzeug befindet, wird sie von einem/einer Beauftragten des betreffenden Transportunternehmens betreut, dessen/deren Aufgabe es ist, sich um Menschen mit Behinderungen zu kümmern. Ein*e Agent*in kümmert sich jeweils nur um eine Person und sorgt dafür, dass sie sich wohlfühlt: Sie kommentiert weder ihre Andersartigkeit noch nimmt sie an Gesprächen teil. Nachdem er /sie die Person zum Zielort geführt hat, achtet er/sie darauf, dass die Person sich auch auf dem weiteren Weg zurechtfindet. In Frankreich finden wir ähnliches, allerdings mit einigen Unterschieden in der Funktionsweise. Zunächst einmal kann es vorkommen, dass einer der Angestellten des Transportunternehmens mehrere Personen bei ihrer Ankunft am Bahnhof oder Flughafen betreut. Er oder sie bemüht sich in der Regel nicht, über das vereinbarte Ziel hinaus Hinweise für den weiteren Weg zu geben.

Leider fürchten die Franzosen/Französinnen die Konfrontation mit Menschen mit Behinderungen. Wie im ersten Teil des Artikels erwähnt, wurde Menschen mit Behinderung in der Vergangenheit nachgesagt, dass sie in ihrem früheren Leben gesündigt hätten. Auch heute noch sind diese Überzeugungen tief verwurzelt: Die Angst vor Menschen mit Behinderungen verbirgt diese vor der Gesellschaft. Die Franzosen und Französinnen neigen daher dazu, die verschiedenen Formen der Behinderung zu verbergen: Man nennt dies die Kultur der Behinderung, d.h. die allmähliche Veränderung der gesellschaftlichen Darstellung von Diskriminierung, Segregation und Ausgrenzung, unabhängig davon, wer den Preis dafür bezahlt. Sie neigen daher dazu, die Probleme von Menschen mit Behinderungen zu minimieren, damit sie so “normal” wie möglich erscheinen. Da Menschen mit Behinderungen in der französischen Gesellschaft wenig anerkannt sind, gibt es im öffentlichen Raum nicht genügend Strukturen, die an ihre Behinderung angepasst sind. Sie haben nicht die Chance, allmählich autonom zu werden, und werden ausgeschlossen. Es besteht also eine starke Chancenungleichheit. All diese Folgen resultieren aus Unkenntnis und mangelnder Aufklärung von Menschen, die nicht von einer Behinderung betroffen sind23.

Bildung, der wichtigste Bereich im Leben aller Kinder

Kommen wir nun zur Bildung, die ein Schlüsselbereich für die soziale Inetragtion von Menschen mit Behinderungen ist. In Artikel 24 Absatz 1 der Charta der Vereinten Nationen von 1945: “Die Vertragsstaaten erkennen das Recht von Menschen mit Behinderungen auf Bildung an. Mit dem Ziel, dieses Recht ohne Diskriminierung und auf der Grundlage der Chancengleichheit zu verwirklichen, stellen die Vertragsstaaten sicher, dass das Bildungssystem eine integrative Bildung auf allen Ebenen gewährleistet und lebenslange Bildungsmöglichkeiten bietet.” Darüber hinaus wurde 1975 in Frankreich (und 1970 in Großbritannien) das Gesetz über die Orientierung behinderter Menschen verabschiedet, das besagt, dass “behinderte Kinder und Jugendliche der Schulpflicht unterliegen”.

In der schulischen Umgebung gibt es zwei Wege für Menschen mit Behinderungen. Erstens, die spezialisierte Umgebung für Kinder mit Behinderungen. Mit einem Programm und einem Rhythmus, die ihren Fähigkeiten angepasst sind, fühlen sich die Kinder in ihrem Element. Im Vereinigten Königreich wird dieser Weges nicht gefördert: Die Menschen in England sind der Ansicht, dass die Unterbringung behinderter Kinder in Spezialklassen zu einer ungewollten Abtrennung führt, da diese Kinder nicht die Möglichkeit haben, mit nichtbehinderten Kindern in Kontakt zu kommen und sich so zu integrieren.

Der traditionelle Schulweg ist der zweite mögliche Weg: Der Hauptvorteil ist die Vermischung der Kinder. Aus sozialer Sicht ist dies ein Vorteil für nicht behinderte Kinder, da sie sich im Gegensatz zum ersten Weg an Kinder mit Behinderungen gewöhnen. Später in ihrem Erwachsenenleben werden sie keine Probleme haben, mit ihnen zu kommunizieren. Da nichtbehinderte Kinder mit behinderten Kindern in Kontakt kommen, werden sie zudem verantwortungsbewusster und damit schneller unabhängig. Die Mischung dieser unterschiedlichen Menschen ist ein echter Gewinn für beiden Bevölkerungsgruppen. Unter den Briten wird dieser Bildungsweg hervorgehoben und hauptsächlich für die betroffenen Kinder genutzt. Diese Kinder profitieren von “special educational needs”, einer speziellen Organisation, damit sie dem Unterricht folgen können (entspricht dem Assistant.e Vie Scolaire in Frankreich). Der Lehrer hat eine integrierende Rolle und stellt sicher, dass das behinderte Kind nicht von anderen Kindern gemobbt oder diskriminiert wird. Aus pädagogischer Sicht muss das Kind mit einer Behinderung nicht nur von fürsorglichen Schülerinnen und Schülern umgeben sein, sondern auch von Schülerinnen und Schülern, die Freude am Lernen haben und durch das Lernen motiviert sind, was sich positiv auf die Sozialisation und Kommunikation auswirkt.

Der Bildung kommt somit eine Schlüsselrolle bei der Integration von Menschen mit Behinderungen zu. Wenn sie von klein auf in die Gesellschaft integriert sind, z.B. durch eine gewöhnliche Klasse, dann haben sie die Möglichkeit, ihr maximales Potenzial auszuschöpfen, und finden z.B. leichter einen Arbeitsplatz24.

Medizinische Hilfsmittel für eine Person mit einer Behinderung

Artikel 25 der Charta der Vereinten Nationen besagt, dass “die Vertragsstaaten anerkennen, dass Menschen mit Behinderungen das Recht auf das erreichbare Höchstmaß an Gesundheit ohne Diskriminierung aufgrund einer Behinderung haben”.

Das französische System ist eines der fortschrittlichsten der Welt in Bezug auf die medizinische Versorgung. Heutzutage reicht es jedoch nicht mehr aus, den Behindertenausweis vorzuzeigen: Menschen mit Behinderungen müssen ihre Behinderung nachweisen, um in den Genuss der Rechte zu kommen, die ihnen sofort zustehen sollten. Dies gilt für mehrere Lebensphasen: die Arbeitsunfähigkeit, die Tatsache, ein drittes Mal an Prüfungen teilzunehmen, die Nutzung von Parkplätzen für Behinderte etc. Darüber hinaus kann es für manche Behinderte schwierig oder sogar unmöglich sein, die Formblätter auszufüllen: manche können weder schreiben noch lesen und brauchen eine dritte Person. So wird die Einforderung der eigenen Rechte in Frankreich heute zu einer Notwendigkeit, während der Staat diese Rechte direkt anbieten sollte.

Die Politik der Inklusion wird in Großbritannien und den USA gefördert, aber worum geht es dabei wirklich?

Justizielle Institutionen spielen eine Schlüsselrolle im Leben von Menschen mit Behinderungen. Wenn ein neues Gesetz verabschiedet wird, kann ihr Leben auf den Kopf gestellt werden. Es ist daher wichtig, dass jedes Land sorgfältig über die Umsetzung dieser Gesetze für Menschen mit Behinderungen nachdenkt.

Das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten sagen, dass sie eine Politik der Nichtdiskriminierung verfolgen. In den Vereinigten Staaten gibt es eine stark strukturierte föderale Politik: Sie erhöht alle Leistungen für behinderte Menschen in diesem Land, und es steht jedem Bundesstaat frei, diese zusätzliche Unterstützung zu ergänzen. Diese Öffentlichkeit wird in den Augen des amerikanischen Staates als völlig legitim angesehen, und es ist wichtig, dass dieses Land ihnen so weit wie möglich hilft und sich an sie anpasst.

1990 wurde das Gesetz ADA: Americans with Disability Act eingeführt. Dessen Ziel besteht darin, “die Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen zu beseitigen, indem in allen Staaten geltende Verpflichtungen und Standards in den Bereichen Beschäftigung, Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen, Transport, Telekommunikation und Zugänglichkeit aller von der Öffentlichkeit frequentierten Orte festgelegt werden”. Sie verbietet jegliche Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen und bietet ihnen Schutz, insbesondere im Bereich der Beschäftigung”.

Im Vereinigten Königreich sind die Begriffe, die zur Bezeichnung von Menschen mit Behinderungen verwendet werden, sehr wichtig. Die Begriffe “mental deficiency” (geistige Unzulänglichkeit) oder “mental subnormality” (geistige Unterbelichtung) werden in der englischen Sprache falsch verstanden, um eine Person mit einer geistigen Behinderung zu bezeichnen. Dies unterstreicht die Tatsache, dass sie “weniger intelligent” sind als andere. Der IQ-Test basiert jedoch auf der kognitiven Funktion des Kindes, nicht auf seiner emotionalen Intelligenz. Auch hier wird die Person mit einer Behinderung nicht auf ihre Qualitäten hingewiesen.

1991 verwendete der britische Gesundheitsminister Stephen Dorrel den Begriff “Lernbehinderung”. Bei der Verwendung dieses Begriffs charakterisierte er diese Menschen nicht als geistig behindert, sondern eher als Menschen mit einem langsamen Lerntempo (die jedoch in der Lage sind, viel mehr Dinge zu lernen, als gemeinhin angenommen wird!).

Ebenfalls im Vereinigten Königreich richtete Tony Blair (Premierminister des Vereinigten Königreichs von 1997 bis 2007) 1997 die Arbeitsgruppe für Behindertenrechte ein. Sie machte eine Bestandsaufnahme der Probleme, mit denen Menschen mit Behinderungen konfrontiert sind, und stellte sie dann der Regierung vor, damit diese gesetzlichen Maßnahmen ergreifen sollte.

Im Jahr 2001 veröffentlichte das Gesundheitsministerium das Buch “Valuing People: A New Strategy for Learning Disability for the 21st Century”. Das Ziel ist es, das Leben von Menschen mit Lernbehinderungen anhand von vier Prinzipien zu verbessern.

Das erste ist die “Anerkennung der Rechte von Menschen mit Behinderungen (angemessene Bildung, Wahlrecht, das Recht, zu heiraten und eine Familie zu gründen, ihre Meinung zu äußern, wenn nötig mit Hilfe)”. Das zweite ist das “Prinzip der Unabhängigkeit (öffentliche Dienste müssen der Person helfen, und um diese Unabhängigkeit zu erreichen, kann der Person geholfen werden)”. Die dritte ist, dass die Person “die Wahl hat, was sie tun oder nicht tun will (Arbeit, Wahl des Wohnortes)”. Schließlich wird das “Prinzip der Inklusion, der Zugehörigkeit zur Gemeinschaft im Alltag (Arbeit, Transport, medizinische Versorgung)” erwähnt.

Dank dieser vier Prinzipien bestünde das Recht auf eine bessere Integration von Menschen mit Behinderungen eigentlich schon. Aber um die Prinzipien anzuwenden, ist der Finanzbedarf groß. Um dieses Idealziel zu erreichen, richtete die britische Regierung 2001 einen Fonds mit der Bezeichnung “Learning Disability Development Fund” ein. Ihr Zweck ist die Finanzierung dieser vier Hauptprinzipien.

Zur Unterstützung der einzelnen Entscheidungen der Länder auf internationaler Ebene heißt es in Artikel 26 des Übereinkommens der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen: “Die Vertragsstaaten treffen wirksame und geeignete Maßnahmen, einschließlich durch die Unterstützung durch andere Menschen mit Behinderungen, um Menschen mit Behinderungen in die Lage zu versetzen, ein Höchstmaß an Unabhängigkeit, umfassende körperliche, geistige, soziale und berufliche Fähigkeiten sowie die volle Einbeziehung in alle Aspekte des Lebens und die volle Teilhabe an allen Aspekten des Lebens zu erreichen und zu bewahren”.

Mit Blick auf diese unterschiedlichen Umsetzungen könnten wir davon ausgehen, dass in keinem Kontext diskriminiert wird, aber wir werden später sehen, dass diese Grundsätze beispielsweise im Arbeitskontext nicht eingehalten werden. Leider neigen wir dazu, zu beobachten, dass Gesetze nur dann eingehalten werden, wenn es dem Land passt.

Das berufliche Umfeld, ein Bereich, der für Menschen mit Behinderungen zum Teil unzugänglich ist

Nachdem wir ausführlich über den Platz der Menschen mit einer Behinderung in der Gesellschaft gesprochen haben, können wir uns dem Thema der Beschäftigung zuwenden. Das Übereinkommens der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen enthält einen Artikel über das Arbeitsrecht, einem wichtigen Bereich für Menschen mit Behinderungen. Es handelt sich um den Artikel 27: “Die Vertragsstaaten anerkennen das gleiche Recht von Menschen mit Behinderungen auf Arbeit; dies beinhaltet das Recht auf die Möglichkeit, den Lebensunterhalt durch Arbeit zu verdienen, die in einem offenen, integrativen und für Menschen mit Behinderungen zugänglichen Arbeitsmarkt und Arbeitsumfeld frei gewählt oder angenommen wird”. In Frankreich, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten gibt es unterschiedliche Gesetze zur Einbeziehung von Menschen mit Behinderungen in die Arbeitswelt. Diese Menschen haben also das Recht zu arbeiten, aber wir werden sehen, dass diese Gesetze nicht immer angewandt werden.

In Frankreich und in den Vereinigten Staaten muss ein Unternehmen seit 1987 bzw. 1990 solange es mindestens 20 Mitarbeiter*innen in Frankreich und mindestens 15 Mitarbeiter*innen in den Vereinigten Staaten beschäftigt, mindestens 6% Menschen mit Behinderungen einstellen. Dieses Gesetz wird oft aus finanziellen und wirtschaftlichen Gründen nicht eingehalten: Es kostet das Unternehmen weniger, die finanzielle Entschädigung im Falle der Nichteinhaltung dieses Gesetzes zu zahlen, als Personen einzustellen, die angeblich nicht über eine ausreichende Produktion für das ordnungsgemäße Funktionieren des Unternehmens verfügen. So ist z.B. die Einstellung einer behinderten Person in Frankreich teurer als die Einstellung einer nichtbehinderten Person, weil je nach Art der Behinderung manchmal Ressourcen zur Verfügung gestellt werden müssen, um geduldiger zu sein, weil diese Person möglicherweise mehr Zeit benötigt, um sich neues Wissen anzueignen, mehr Unterstützung bei der Anpassung an ihre Rolle, aber auch bei der Anpassung an ein neues Umfeld (neue Menschen, neue Gebäude, neue Arbeitsmittel usw.).

In den drei untersuchten Ländern soll die Politik diskriminierungsfrei sein. In den Vereinigten Staaten handelt es sich um den ADA-Gesetzentwurf (Americans with Disability Act) aus dem Jahr 1990. Ziel ist es, “die Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen durch die Festlegung von in allen Bundesländern geltenden arbeitsrechtlichen Verpflichtungen und Normen zu beseitigen…”. Zu diesem Zweck werden zwei Arten von Hilfen angeboten: SSDI (Sozialversicherung für Behinderte) für diejenigen, die in der Lage waren, zu arbeiten und einen ausreichenden Beitrag zur Sozialversicherung zu leisten (die Hilfen sind eher für diejenigen gedacht, die durch einen Unfall arbeitsunfähig geworden sind), und SSI (Versorgungssicherheitseinkommen) für diejenigen, die ihr ganzes Leben lang nicht arbeiten können (Menschen, die blind, taub, gelähmt geboren wurden, einige Autisten usw.). Sobald die Begünstigten einer dieser beiden Hilfen sind, gibt es ein Integrationsprogramm: the Ticket to Work. Es wurde 1999 gegründet und bietet Wiedereingliederungs- oder berufliche Rehabilitationsprogramme für Personen an, die von der SSDI oder der SSI profitieren. Zu diesem Zweck wird dem behinderten Menschen eine Reihe von Dienstleistungen angeboten. Wenn sie es wünschen, können sie bei ihrer Wiedereingliederung von diesen verschiedenen Diensten unterstützt werden und so nach Abschluss ihrer Rehabilitation einen Arbeitsplatz finden.

Dieses Programm kann als eine Art Wunderlösung angesehen werden, aber leider funktioniert es nicht so gut. Beispielsweise wurden 2007 von der Sozialversicherung 12 Millionen Tickets verschickt. Von diesen 12 Millionen meldeten sich nur 144.000 Menschen für das Programm an. Und von diesen 144.000 Menschen fanden nur 0,01% eine Arbeit. Diese Niederlage kann darauf zurück geführt werden, dass man, wenn man sich in das Programm einschreiben will, zunächst seine völlige Arbeitsunfähigkeit nachweisen muss (zur Erinnerung: sie sind bereits Begünstigte des SSDI oder des SSI und gelten daher für diese beiden Hilfsmittel als behindert), um schließlich die Invaliditätsleistung zu erhalten, was besonders lange dauert und oft zahlreiche Einsprüche erfordert.

Im Vereinigten Königreich gibt es auch zwei Hilfsmittel, die für Menschen mit Behinderungen zur Verfügung stehen. Erstens der New Deal für junge Menschen, der die Beschäftigung von 18-24-Jährigen fördert, die seit mehr als 6 Monaten Arbeitslosengeld beziehen. Dann der “New Deal for Disabled People”, der für behinderte Erwachsene geschaffen wurde, mit Ausnahme derer zwischen 18 und 24 Jahren. Dieser bietet Unterstützung für Erwachsene, die aufgrund ihrer Behinderung nicht arbeiten können. Problematisch ist jedoch, dass diese Zulagen sie dazu ermutigen, jedes Arbeitsangebot abzulehnen, selbst wenn ihnen eine Stelle angeboten wird, aus Angst, diese finanzielle Unterstützung zu verlieren. Dies hat negative Folgen für Menschen mit Behinderungen: Sie werden apathisch, langweilen sich und leben in Unsicherheit oder sogar Armut. Infolgedessen können sie leichter gesundheitliche Probleme entwickeln. Deshalb ist es für Menschen mit Behinderungen wichtig, einen Arbeitsplatz zu haben, nicht aus wirtschaftlichen Gründen, sondern für einen angemessenen Lebenskomfort25.

Als Fazit aus dem Vergleich dieser drei Länder lässt sich festhalten, dass Justizinstitutionen oft dazu neigen, sich mit dem/der Arbeitgeber*in zu einigen, um ihr Geschäft nicht zu gefährden. Hier finden wir eine Verhalten, das sich für die Wirtschaft einsetzt und bereit ist, die verletzlichsten Menschen zu entmenschlichen.

Um das Obige zu veranschaulichen, können wir das Beispiel von Wood’s Diagramm nehmen. Dies erklärt die Tatsache, dass Menschen mit Behinderungen eine Behinderung haben, die dazu führt, dass sie nicht in der Lage sind, etwas zu tun. Sie sind daher gegenüber nichtbehinderten Menschen benachteiligt, aber dank der Beschäftigungshilfe kann ein angepasster Arbeitsplatz ihr Lebensrhythmus verändern und es ihnen ermöglichen, wieder in die Gesellschaft integriert zu werden und ihre Autonomie zu maximieren.

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Menschen mit Behinderungen sind aus gesetzgeberischer Sicht voll in die Gesellschaft integriert, aber mit Blick auf die tatsächliche Anwendung, müssen in verschiedenen Bereichen noch große Fortschritte erzielt werden. Ist die Charta der Vereinten Nationen ein Leuchtturm der Hoffnung oder ein utopischer Text für die Inklusion von Menschen mit Behinderungen?

Empfehlungen für Vereine

APF (Association des Paralysés de France, Verein der französischen Gelähmten)

Eine wichtige französische Organisation, die 1933 gegründet wurde, als gemeinnützig anerkannt ist und für die Verteidigung und Vertretung von Menschen mit Behinderungen und ihren Familien eintritt. Diese Vereinigung ist eine nationale Bewegung für die Verteidigung und Vertretung von Menschen mit motorischen Behinderungen mit oder ohne Begleiterkrankungen und deren Familien. Sie bringt 30.000 Freiwillige und mehr als 14.000 Mitarbeiter zusammen26.

Handicap International

Eine internationale Solidaritäts-NGO, die in rund 60 Ländern tätig ist. Die Vereinigung interveniert in Situationen von Armut und Ausgrenzung, Konflikten und Katastrophen an der Seite von behinderten Menschen und gefährdeten Bevölkerungsgruppen, um ihre Lebensbedingungen zu verbessern und die Achtung ihrer Würde und ihrer Grundrechte zu fördern und schließlich zu handeln und Zeugnis abzulegen, damit ihre Grundbedürfnisse angemessen gedeckt werden.

Es gibt also eine Vielzahl von Behinderungsarten, und aus diesem Grund hat sich jeder dieser Verbände auf einen bestimmten Bereich der Behinderung spezialisiert: APF für motorische Behinderungen, Handicap International hat eine humanitäre Dimension und setzt sich für die Rechte von Menschen mit Behinderungen im Allgemeinen ein, und Vent du Large richtet sich an Menschen mit geistigen oder intellektuellen Behinderungen.

Kulturelle Empfehlungen

Behinderung leidet unter mangelnder Vertretung. Wir sehen selten Fernsehpersönlichkeiten mit Behinderungen. Die Nicht-Repräsentation einer Minderheit trägt zu ihrer Marginalisierung bei. Das Kino bietet ein hohes Maß an Sichtbarkeit und ermöglicht die Auseinandersetzung mit vielen gesellschaftlichen Fragen, wobei Behinderungen keine Ausnahme von der Regel sind.

Wenn Sie gerne ins Kino gehen und mehr über Behinderung wissen möchten, werden diese Filme Sie zweifellos ansprechen27:

Wir sind Champions (2018)

Von Javier Fesser mit Javier Gutiérrez, Alberto Nieto Fernández, Daniel Freire

Der Elefantenmensch (1980)

Von David Lynch mit Anthony Hopkins, John Hurt und Anne Bancroft.

Forrest Gump (1994)

Von Robert Zemeckis mit Tom hanks, Gary Sinise und Robin Wright.

Freaks (1932)

Von Tod Browning mit Wallace Ford, Leila Hyams und Olga Baclanova.

Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa (1994)

Von Lasse Hallstrom mit Johnny Depp, Leonardo DiCaprio und Juliette Lewis. 

Ziemlich beste Freunde- Intouchables (2011) 

Von Olivier Nakache und Eric Toledano mit François Cluzet, Omar Sy und Anne le Ny.

Verstehen Sie die Béliers? (2014)

Von Éric Lartigau mit Louane Emera, Karin Viard, Françoise Damiens und Éric Elmosnino.

Am achten Tag (1996)

Von Jaco van Dormael mit Daniel Auteuil, Pascal Duquenne und Miou-Miou.

Lieber leben (2017) 

Von Fabien Marsaud, auch bekannt als Grand Corps Malade und Mehdi Idir mit Pablo Pauly, Soufiane Guerrab, Moussa Mansaly, Alban Ivanov, Yannick Renier und Franck Falise.

Rosso come il cielo (2006)/ Red Like the Sky

Von Cristiano Bortone mit Luca Capriotti, Marco Cocci und Simone Colombari.

Die Entdeckung der Unendlichkeit (2014)

Von James Marsh mit Eddie Redmayne, Felicity Jones und Charlie Cox.

Einer flog über das Kuckucksnest (1975)

Von Milos Forman mit Jack Nicholson, Louise Fletcher und Will Sampson. 

Falls Sie Musik mögen, hier drei Lieder über Behinderung28:

Ça ne tient pas debout” (1990) von Michel Berger29.

Why” (2020) von der Gruppe Anadjoh30.

6ème sens” (2006) von Grand Corps Malade31.

Selbstverständlich gibt es noch viele andere Filme und viele andere Musikstücke, die über Behinderung sprechen und dazu beitragen, diese Sache sichtbar zu machen.

Fazit

In allen Epochen war Behinderung immer ein Tabu und wurde missverstanden. Menschen mit Behinderungen sind oft beschuldigt, diskriminiert und aus der Gesellschaft ausgeschlossen worden. Sowohl im wissenschaftlichen als auch im sozialen Bereich sind viele Fortschritte erzielt worden. Behinderungen sind jedoch nach wie vor ein Faktor der Ausgrenzung, und die vorgeschlagenen Hilfsmittel oder Gesetze sind leider noch immer unzureichend.

Behinderung kann mit einer komplexen Identität verbunden sein, mit einer Politik der Anerkennung, die Menschen mit sehr unterschiedlichen singulären und subjektiven Erfahrungen zusammenbringt. Dennoch finden sich diese Menschen um eine gemeinsame Erfahrung der Gesellschaft herum vereint: Sie teilen den Ausschluss aus der Gesellschaft. Dieser Ausschluss könnte der Schlüssel zu einer Objektivierung von Behinderung und damit der erste Schritt zu der Entstehung einer Gemeinschaft trotz der Heterogenität ihrer Mitglieder.

Ein besseres Verständnis und eine bessere Einbeziehung von Behinderung ist eine Aufgabe, die nicht nur von Betroffenen, sondern auch von Nichtbehinderten zu erfüllen ist. Letztere müssen die verschiedenen Gefühle, die eine Behinderung bei ihnen auslöst, besser verstehen, denn das Verständnis dieser Gefühle und Reaktionen ist ein erster Schritt hin zu einer toleranteren und gesünderen Beziehung zwischen nichtbehinderten und behinderten Menschen. Letztendlich geht es darum, dass die Gesellschaft Behinderung durch Bildung einbezieht, mehr Sichtbarkeit schafft, um das Bewusstsein zu schärfen und das Tabu rund um Behinderung zu brechen. Vergleicht man Frankreich, das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten in Bezug auf den Umgang mit Behinderungen, so zeigt sich, dass politische Maßnahmen zum Thema Behinderung umgesetzt wurden, um Diskriminierungen aller Art ein Ende zu setzen. Wir haben jedoch auch feststellen können, dass diese Politiken nicht immer eingehalten werden, insbesondere in der Arbeitswelt. Leider müssen wir feststellen, dass Gesetze nur dann eingehalten werden, wenn es dem Land passt.

Wir alle können dazu beitragen, den Stellenwert der Behinderung in der Gesellschaft zu verbessern. Heute geht es darum, unser Verhalten gegenüber Menschen mit Behinderungen toleranter zu gestalten, aber auch darum, dass die Gesellschaften sicherstellen, dass die Grundsätze der Nichtdiskriminierung und der finanziellen und sozialen Hilfe eingehalten werden. Kultur ist nach wie vor ein wirksames Mittel, um jede Art von Anliegen sichtbar zu machen, weshalb wir verschiedene Filme und etwas Musik zum Thema Behinderung empfehlen.

QUELLENZEICHNIS

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Den Artikel zitieren :

FELTEN, L. LASSOURD, A. (2020). Le handicap : une culture identitaire complexe. Generation for Rights Over the World. growthinktank.org. [online] Dec. 2020.

©Photo by freepik.com. Available at: here

Translated by Eike Hinrichsen & Naomi Ouattara.

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